Auftaktveranstaltung, 21. Juli 2005
China ist in aller Munde, besonders bei deutschen Unternehmern. Die Resonanz auf die Auftaktveranstaltung des neuen IHK-Arbeitskreises zeigte, dass das „Reich der Mitte“ auch im Zentrum der Aufmerksamkeit mittelhessischer Firmen steht. Angesprochen sind die mit dem operativen China-Geschäft betrauten Geschäftsführer oder Mitarbeiter von Mitgliedsunternehmen der IHK Gießen-Friedberg, den IHks zu Dillenburg und Wetzlar sowie der IHK Limburg.
Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich mit atemberaubendem Tempo zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. 1972 exportierten deutsche Unternehmen Waren für gerade 270 Mio. Euro, heute sind es mit gut 20 Mrd. Euro 70 Mal mehr; 1972 bezog Deutschland Waren für 175 Mio. Euro, 2004 waren es mit gut 30 Mrd. Euro etwa 170 Mal mehr.
Robert Malzacher, Geschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg, sagte in seiner Begrüßung zur Auftaktveranstaltung: „Der Aufschwung dort ist gewiss nicht unkritisch zu sehen, allerdings ist China mittlerweile der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa.“
Der neue Arbeitskreis wird mit einer Reihe von Veranstaltungen in loser Folge über Markteintrittsbedingungen und -möglichkeiten für mittelhessische Unternehmen informieren. Dabei stehen der intensive Erfahrungsaustausch und die Netzwerkbildung im Vordergrund. Zur Behandlung spezifischer Themen werden bei Bedarf entsprechende Experten eingeladen. Der IHK-Verbund Mittelhessen moderiert und koordiniert den Arbeitskreis China.
Auf der Tagesordnung der Auftaktveranstaltung standen ein Impulsreferat von Rechtsanwalt Dr. Harald Hohmann (Büdingen) „Der Schutz geistigen Eigentums in der VR China“ sowie die Planung der zukünftigen Aktivitäten des Arbeitskreises.
Vortrag zu Produktpiraterie
China-Experte Hohmann behandelte in seinem Vortrag das praxisnahe Vorgehen bei einer Schutzrechtsverletzung. Produktpiraterie sei ein Thema, mit dem sich fast alle ausländischen Unternehmen - inzwischen sogar viele chinesische - in China auseinandersetzen müssten. Allerdings hätte die Regierung erkannt, dass der Schutz von geistigem Eigentum für den weiteren wirtschaftlichen Aufschwung wichtig ist. Sie sei bestrebt, dieses Problem in den Griff zu bekommen. Hohmann berichtete, dass der gewerbliche Rechtsschutz in der Volksrepublik China umfassend geregelt und das Land den wichtigen internationalen Übereinkommen beigetreten sind. Rechtsstaatlichkeit sei jedoch unterschiedlich weit verbreitet, sodass oftmals unorthodoxe Lösungen gesucht werden sollten. Hohmann zu den Unternehmern: „Wenn Ihre Produkte gut nachgemacht und zum Verwechseln den Originalen ähnlich sind, versuchen Sie den Kopierer doch zu Ihrem Lizenz-Partner fürs China-Geschäft zu machen!“. Deutsche Unternehmen sollten frühzeitig Patente, Marken- und Urheberschutzrechte registrieren lassen und sich weitere Möglichkeiten des Schutzes überlegen.
Da fast alle Teilnehmer China aus der Anschauung eigener Geschäftsreisen oder langjähriger Aufenthalte kannten, entspann sich eine lebhafte Diskussion: Hohe Wachstumsraten machen das Land für ausländische Geschäftsleute so interessant wie kein Zweites. In vielen Bereichen sei es aber ein Entwicklungsland. Es herrsche eine Diskrepanz zwischen Rechtsstaatlichkeit und Wirklichkeit. Existierende Gesetze werden von Behörden häufig nicht, falsch oder mit Verspätung umgesetzt.
Die über 30 Teilnehmer kamen aus mittelhessischen Unternehmen, die mit China Maschinen und Anlagen sowie elektrotechnische Produkte handeln. Auch Dienstleister wie Logistiker und Ingenieurbüros waren vertreten.
Zukünftige Aktivitäten
Als Themen für zukünftige Sitzungen wünschten sich die Unternehmer interkulturelles wie „Chinesische Geschäftswelt: Fallstricke und Fettnäpfchen vermeiden“, geschäftspraktisches wie „Regress und Forderungsmanagement in China“ oder auch die Vorbereitung des Messeauftrittes bei der Auto China 2006.
Auftaktveranstaltung des Arbeitskreises China am 21. Juli 2005. Unternehmer und Referent Rechtsanwalt Dr. Harald Hohmann (Büdingen) (stehend) bei seinem Vortrag "Der Schutz des geistigen Eigentums in der VR China"




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