Statements von
Präsident Dr. Wolfgang Maaß und
Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder
anlässlich der Konjunkturpressekonferenz am 2. März 2010
Es gilt das gesprochene Wort!
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich, Sie hier bei unserer Konjunkturpressekonferenz in Gießen begrüßen zu dürfen. Vor rund einem Jahr sagten wir an gleicher Stelle, wir stünden vor der heftigsten Rezession in der deutschen Nachkriegsgeschichte. So ist es dann ja auch gekommen. Der Aufschwung war 2008 zu Ende. Die Finanzkrise hat sich mit voller Wucht auf die Realwirtschaft ausgewirkt und zu dieser massiven Rezession geführt. Im Herbst in Friedberg konnten wir schon von einer leicht verbesserten Situation berichten. Man war im Tal angekommen und hat sich an den beschwerlichen Aufstieg gemacht. Leichte Besserungstendenzen deuteten sich damals bereits an.
Heute stelle ich Ihnen die Ergebnisse der Umfrage zum Jahresbeginn 2010 vor. Was sich im Herbst in Friedberg angedeutet hat, hat sich nun verfestigt. Die wirtschaftliche Erholung ist fortgeschritten. Lassen Sie es mich so sagen: Dem Patient geht es zusehends besser. Er kann ohne fremde Hilfe langsam wieder gehen. Allerdings fehlt ihm noch einiges an Kraft, und es ist nicht sicher, ob er nicht einen Rückfall bekommt. Tatsache ist, dass er ohne fremde Hilfe nicht so schnell auf die Beine gekommen wäre. Sie wissen, dass ich damit die Konjunktur-Programme der Bundesregierung und auch die Abwrackprämie meine.
Das konjunkturelle Klima hat sich im Vergleich zur Umfrage im Herbst des vergangenen Jahres verbessert. Noch deutlicher fällt die Steigerung beim Vergleich mit den Werten der Umfrage vom Jahreswechsel 2008/2009 aus. Der Tiefpunkt der Rezession lag im Frühjahr 2009. Damit kann dem sanften Anstieg des wirtschaftlichen Klimas nunmehr bereits eine gewisse Konstanz und Stabilität attestiert werden. Allerdings befindet sich die Stimmung lediglich auf dem Stand des Jahres 2005. Um auf das Niveau vor der globalen Finanzkrise zu kommen, werden noch einige Wachstumsjahre vergehen müssen. Die Regierung geht davon aus, dass nach der Schwächephase erst im Jahre 2013 das wirtschaftliche Niveau von vor der Krise erreicht wird.
Damit wird heute ein Klimaindex von 91,8 ermittelt. Dieser Wert lag vor einem Jahr bei 68,5 und im Herbst 2009 bei 83,3. Damit ist die Zufriedenheitsschwelle von 100 zumindest wieder in Reichweite. Das Licht am Ende des Tunnels ist sichtbar. Der Klimaindex, das wissen Sie, ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen.
Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg fand diesmal von Mitte Dezember 2009 bis Mitte Januar 2010 statt. Der Befragungszeitraum fiel somit in den, zumindest für den Einzelhandel, ausgesprochen wichtigen Weihnachtsverkauf. Befragt wurden rund 1.200 Mitgliedsbetriebe aus allen drei Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau.
Die Wirtschaft war im vergangenen Jahr mit einem Minus von 5,0 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese Rezession fiel überdies mehr als fünfmal so heftig aus, wie beim bisher stärksten Einbruch 1975 nach der Ölkrise. Damals wurde ein Minus von 0,9 Prozent gemessen. Für das laufende Jahr pendeln sich die Vorhersagen für das Wachstum des BIP um einen Wert von plus 1,5 Prozent ein. Dabei ist das Wachstum abhängig von eher klassischen Einflussfaktoren: Wie entwickelt sich der Dollarkurs? Wie entwickeln sich die Rohstoffpreise, speziell der Ölpreis? Werden tatsächlich Steuerentlastungen durchgesetzt? Und: Welche Belastungen kommen auf die Wirtschaft und die Konsumenten zu? Wird es doch noch eine Kreditklemme geben, wenn die Investitionsnachfrage einsetzt?
Bemerkenswert ist der robuste Arbeitsmarkt. Prognosen gingen von einer höheren Arbeitslosenzahl aus. Dabei ist die Zahl von knapp 3,3 Millionen schlimm genug. Neben dem in der Krise erfolgreichen Instrument des Kurzarbeitergeldes muss hier die Standfestigkeit und die Verzichtsbereitschaft der Betriebspartner genannt werden. Modelle der Beschäftigungssicherung, gerade auf betrieblicher Ebene, sorgten für eine weitgehende Beibehaltung des Personalstammes. Damit können die Betriebe mit ihren gut ausgebildeten Belegschaften weiter arbeiten. Doch nun muss es wieder aufwärts gehen, denn eine längerfristige Wirksamkeit der beschäftigungssichernden Instrumente ist keineswegs gewährleistet.
Deutliche Lichtblicke gibt es bei den Pharmaunternehmen. Sie wissen, in unserem Bezirk sitzen die Stada in Bad Vilbel, die kräftig investierende Fresenius in Friedberg, Lilly und Pascoe in Gießen, um nur einige zu nennen. Das Baugewerbe und die metallverarbeitenden Betriebe strahlen einigermaßen Zufriedenheit aus. Der Dienstleistungssektor liegt sogar, wenn auch knapp, über der Zufriedenheitsschwelle des Klimaindex. Die weitere Entwicklung im Maschinenbau ist dagegen noch nicht absehbar. Während einige Maschinenbauer bereits wieder von steigenden Auftragszahlen aus dem Ausland sprechen, leiden noch viele Firmen unter den Folgen der Krise – die Zahl der Pleiten in der Branche schnellte auf ein Rekordhoch. Die relative Zufriedenheit bei den Automobilhändlern ist Vergangenheit. Die Abwrackprämie hat den Verkauf von vornehmlich Kleinwagen gefördert. Der Absturz der Branche allerdings wurde vermutlich lediglich verzögert, da Käufe vorgezogen wurden. Für das Jahr 2010 stehen der Automobilwirtschaft, den Herstellern, den Zulieferern und den Händlern, schwierige Zeiten bevor. Die deutschen Oberklasse-Hersteller hoffen indes auf ein baldiges kräftiges Einsetzen der Dienstwagen-Nachfrage, die nunmehr bereits einen gewissen Nachholbedarf haben wird.
Insgesamt sind im IHK-Bezirk 23,9 Prozent der Unternehmen zufrieden mit der derzeitigen Lage. Vor einem Jahr waren es genau so viele, bei der Herbstumfrage lediglich 20,6 Prozent. Die Struktur der unzufriedenen Stimmen hat sich dagegen deutlich verändert: Aktuell sind weniger Betriebe unzufrieden als vor einem Jahr, aber auch im Vergleich zum Herbst. Daraus ergibt sich immer noch ein negativer Stimmensaldo. Der liegt aktuell aber nur noch bei 3,6 Prozent und lag im Herbst bei 13,8 Prozent. Dies ist eine deutliche Verbesserung, auf allerdings schwachem Niveau.
Für das kommende Halbjahr gehen 15,0 Prozent der Betriebe von einem günstigeren Verlauf aus. Vor einem Jahr waren es lediglich 8,2 Prozent. Im Herbst allerdings 18,7 Prozent. Skeptisch blicken 27,6 Prozent der Betriebe nach vorn. Im Herbst waren 38,1 Prozent der Unternehmen pessimistisch. Im vergangenen Jahr sogar 58,0 Prozent. Daraus ergibt sich aktuell zwar ein negativer Stimmensaldo von 12,6 Punkte. Der lag vor einem Jahr aber bei hohen minus 49,8 Punkte und im vergangenen Quartal bei minus 19,4 Punkte. Aus dem Blick in die Zukunft wird der meiste Optimismus geschöpft. Die Zuversicht ins laufende Jahr scheint stabil.
Wie Sie das gewohnt sind, gehe ich nun auf einige Branchenaspekte ein. Fünf Jahre lang blickte der Maschinenbau auf hoch erfreuliche Ergebnisse. Doch Umsatzrekorde, volle Auftragsbücher und boomende Märkte gehören nun der Vergangenheit an. Stattdessen kämpfen viele Maschinenbauer mit drastischen Nachfrage- bzw. Umsatzrückgängen und mit hohen Insolvenzzahlen. Maßnahmen zur raschen Kostensenkung waren deshalb unerlässlich und wurden, mitunter schmerzhaft, realisiert. Klar identifizierbares Ziel inmitten der Krise war es, die Stammbelegschaft zu halten. Dafür war die Kurzarbeit ein geeignetes Instrument. Insgesamt sank der Umsatz im Maschinenbau im Jahr 2009 um rund 23 Prozent ein. Wobei man gerade Anfang des vergangenen Jahres noch von Auftragsüberhängen aus dem Jahr 2008 profitieren konnte. Insofern wird das laufende Jahr zur harten Bewährungsprobe, denn jetzt gibt es keine Überhänge mehr aus 2009. Nach Monaten tiefen Falls hofft man nunmehr auf eine zaghafte Besserung. Die Kapazitätsauslastung ist mit 70 Prozent auf einem historischen Tiefstand. Größte Hoffnungen setzt man in den Betrieben auf neu einsetzende Nachfrage, gerade aus China, Indien und Brasilien. Die europäische Nachfrage, die für den Industriezweig wichtige Nachfrage aus den ölfördernden Ländern und aus den Vereinigten Staaten ist noch nicht wieder auf den Beinen.
Der Klimaindex des Maschinenbaus liegt genau bei 80,9 gegenüber 81,5 im Vorjahr.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich 2009 im Baubereich wesentlich weniger ausgewirkt als in der Industrie. Im Jahr 2009 ging der Umsatz der deutschen Bauwirtschaft um vier Prozent zurück. Für das laufende Jahr rechnet die Branche mit einem neuerlichen Umsatzrückgang, der allerdings mit minus 1,5 Prozent schwächer ausfallen dürfte als im Vorjahr. Somit dürfte die Branche auch das zweite Jahr der schweren Krise mit einem blauen Auge überstehen. Weil die Konjunkturprogramme 2010 wohl auslaufen werden, wird das Jahr 2011 das eigentliche Krisenjahr der Bauunternehmen werden. Insbesondere im Wirtschaftsbau ist keine Trendwende zu erkennen. Erweiterungsinvestitionen, die Bauaufträge in der Regel zur Folge haben, sind noch die Ausnahme. Im Wohnungsbau wird 2010, erstmals seit 2006, wieder mit einem Zuwachs bei den Wohnungsfertigstellungen gerechnet. Insofern wird hier eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau erwartet: 2009 gab es ein Umsatzminus von 5,5 Prozent und im laufenden Jahr wird sogar von einem ganz leichten Umsatzplus ausgegangen. Im öffentlichen Bau haben die Konjunkturprogramme voll durchgeschlagen. Eine positive Sondersituation gab es insbesondere im Straßenbau. Somit gab es 2009 ein Umsatzplus von fünf Prozent und 2010 werden sogar acht Prozent Steigerung erwartet. Nur: Was wird 2011?
Der Klimaindex der Bauwirtschaft liegt bei 122,5 gegenüber 103,9 im Vorjahr.

Dr. Wolfgang Maaß und Dr. Matthias Leder präsentierten im Rahmen einer Pressekonferenz die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage.
Für den Einzelhandel hätte es im Krisenjahr schlimmer kommen können. Der befürchtete Umsatzeinbruch blieb aus. Die Umfrage fiel überdies ins Weihnachtsgeschäft, ein für den Einzelhandel lebensnotwendiger Zeitraum. Insgesamt wurde das befriedigende Ergebnis des Weihnachtsgeschäftes 2008 gehalten. Besonders profitieren Bau- und Heimwerkermärkte von der Sehnsucht der Menschen, sich in den eigenen vier Wänden wohl und sicher zu fühlen. Weitere Stimmen zeigen, dass insbesondere Einzelhandelsbetriebe, die hohe Qualität anbieten und auch deshalb über eine treue Stammkundschaft verfügen, mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft zufrieden waren. Sorgenfalten bereiten der Branche zum einen die weitere Entwicklung der Sparquote. Werden die Konsumenten aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes immer mehr Geld horten? Zum anderen gibt aber auch der anhaltende Trend zu den großen Einkaufszentren auf der grünen Wiese Anlass zur Klage. Das Ende 2010 auslaufende hessische Gesetz zur „Stärkung von innerstädtischen Geschäftsquartieren“ soll demzufolge verlängert werden. Die Gießener Einzelhändler sind hier mit ihren BID-Lösungen Vorreiter.
Der Klimaindex im Einzelhandel liegt bei 68,0 gegenüber 51,0 im Vorjahr.
Das Gastgewerbe ist von der Wirtschafts- und Finanzkrise in Deutschland weiter hart getroffen. Der Umsatz der Branche sank nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Zeitraum Januar bis September 2009 real um 6,3 Prozent. Unter besonders starkem wirtschaftlichen Druck stehen die Hoteliers: Insbesondere die Tagungs- und Stadthotellerie musste zum Teil eklatante Umsatzeinbußen hinnehmen. In vielen Häusern wurden Veranstaltungen und Events nur in kleinerem Rahmen durchgeführt bzw. ganz storniert. Zudem haben viele Unternehmen ihren Mitabeitern Reise- und Übernachtungsbeschränkungen auferlegt. Die Großstädte als klassische Orte für Messen und Kongresse leiden dabei besonders unter dem Ausbleiben der Geschäfts- und Tagungsreisenden. Auch die relativ stabile Buchungslage in der Ferienhotellerie und der Inlandstourismus konnten den dramatischen Einbruch im Business-Segment nicht wettmachen. So sank der Umsatz in der Hotellerie in den ersten neun Monaten des Jahres 2009 um real 8,9 Prozent. Der Klimaindex im Gastgewerbe liegt bei 99,7 gegenüber 70,7 im Vorjahr.
Den Brauereien macht der Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauches Sorgen: Die ersten Zahlen aus dem Jahr 2009 deuten auf einen Pro-Kopf-Verbrauch von unter 110 Liter Bier hin. 1980 waren es noch über 145 Liter. Die Gründe für den Rückgang sind naheliegend: Die deutsche Gesellschaft wird älter, und Ältere trinken weniger Bier. Jüngere Konsumenten weichen gerne auf Alternativen wie Alkopops aus. In diesen Zusammenhang gehören auch Diskussionen um übertriebenen Alkoholkonsum von Jugendlichen, die auch bei Brauereien Imageschäden verursachen. Nach wie vor schadet überdies das Rauchverbot dem Bierabsatz in den Gaststätten. Was sich hier gegenüber der Friedberger Pressekonferenz geändert hat, ist natürlich der Verzicht der Radeberger Brauerei mit ihrer Marke Binding in Bad Vilbel zu investieren.
Die deutschen Mineralbrunnen verzeichneten im vergangenen Jahr einen leichten Absatzrückgang. Mineralwasser konnte sich aber trotz eines schwierigen Umfelds als beliebtestes alkoholfreies Getränk in Deutschland behaupten. Der hohe Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralwasser in Deutschland blieb mit rund 131 Litern weitgehend stabil. Der Absatz von Mineral- und Heilwasser sowie von Mineralbrunnen-Erfrischungsgetränken ging um 1,6 Prozent zurück. Grund war vor allem das Ausbleiben längerer sommerlicher Schönwetterperioden.
Die Getränkebranche insgesamt kommt auf einen Klimaindex von 47,1 gegenüber 35,4 im Vorjahr.
Die Medizintechnik schneidet mit dem besten Klimawert aller größeren Branchen ab. Dieser heterogenen Branche geht es gut. Seit 2007 werten wir die Branche „Medizintechnik“ aus. Wir haben dazu sämtliche Firmen aus unserem Bezirk, die in dieses Raster fallen, mit in die Konjunkturbefragung aufgenommen bzw. in dieser Gruppe zusätzlich zusammengefasst. Beispielhaft die Entwicklung der Pharmabranche. Hier ist der Anteil dieser Branche an den deutschen Exporten in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Lag er im Jahre 2000 noch bei 2,3 Prozent, so wird für 2015 ein Anteil der Pharma-Exporte an den deutschen Gesamt-Exporten von 5,6 Prozent prognostiziert. Für die Branche spricht der der demografische Wandel: Je älter die Menschen werden, desto größer der Bedarf nach Produkten und Leistungen der Medizintechnik. Gänzlich von der konjunkturellen Entwicklung kann sich die Branche allerdings nicht abkoppeln. Wenn in Deutschland die Steuereinnahmen sinken und Arbeitsplätze verloren gehen, dann wird sich das auch auf die Investitionen kommunaler Krankenhäuser auswirken. Denn letztlich lebt das Gesundheitsgeschäft vom Steueraufkommen und der Finanzkraft der gesetzlichen Krankenversicherungen.
Der Klimaindex in der Medizintechnik liegt bei 121,1 gegenüber 102,6 im Vorjahr.
Ich übergebe nun das Wort an Herrn Dr. Leder.
Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg wurde auch diesmal nach den Ergebnissen in den drei Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau ausgewertet. Nachdem im Jahre 2009 zweimal in Folge die besten Ergebnisse aus dem Wetteraukreis kamen, hat sich nunmehr der Landkreis Gießen die Spitzenposition wieder zurück erkämpft. Der Vogelsbergkreis, bei der Herbstumfrage mit unerwartet guten Ergebnissen, ist wieder auf Rang drei zurückgefallen. Bei der aktuellen Umfrage wurde darüber hinaus nach Veränderungen bei den Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr gefragt. Weiter äußerten die Unternehmen ihre Einschätzung zu den Risikofaktoren einer konjunkturellen Erholungsphase und zu der vielbeschworenen Kreditklemme.
Der neue und alte Spitzenreiter, der Landkreis Gießen, kommt auf einen Klimaindex von 97,7 und erreicht damit fast die Zufriedenheitsschwelle, die bei 100 liegt. Vor einem Jahr kamen die Giessener Unternehmen auf einen Klimaindex von 70,3, bei der Herbstumfrage lag das Ergebnis bei 79,6 Einheiten. Der Wetteraukreis kommt aktuell auf einen Index von 92,1 Einheiten. Im Vorjahr lagen die Betriebe zwischen Butzbach und Bad Vilbel, zwischen Büdingen und Ober Mörlen bei einem Klimawert von 75,2 und bei der Herbstumfrage bei 85,7 Einheiten. Der Vogelsbergkreis schließlich rangiert mit 78,8 Einheiten am Ende der Skala. Vor einem Jahr wurde ein Klimaindex von 52,7 ermittelt. Das Herbstergebnis von 84,3 Einheiten zeigt, dass die Betriebe aus dem Vogelsbergkreis mittlerweile sogar von einer Verschlechterung der konjunkturellen Lage und der künftigen Entwicklung ausgehen. Besonders augenfällig ist die deutliche Verbesserung des wirtschaftlichen Klimas im Landkreis Gießen. Im Vergleich zum Vorjahr wurde eine Steigerung um fast 30 Punkte ermittelt. Im Vergleich zur Herbstumfrage vor drei Monaten gab es eine Verbesserung um fast 20 Punkte. Damit wird eine klare Stimmungsverbesserung mit deutlicher Dynamik erkennbar.
Allerdings liegen sämtliche Ergebnisse des IHK-Bezirkes unter den hessischen Resultaten. Das Landesergebnis liegt aktuell bei einem Klimaindex von 101,0 Einheiten.
Die besten Ergebnisse aus der Industrie kommen aus dem Wetteraukreis. Dort schließt man mit einem Klimaindex von 107,8 ab und weist damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Punke auf. Die besten Ergebnisse liefern hier die Betriebe aus der Chemie- und Pharmabranche. Enttäuschend schneiden hingegen die eigentlichen Vorzeigebranchen Maschinenbau und Elektrotechnik ab.
Im Landkreis Gießen kommt die dortige Industrie auf einen Klimaindex von 91,5 gegenüber 64,9 im Vorjahr. Damit liegt eine Steigerung um 26,6 Punkte vor. Die besten Resultate kommen aus der Pharmabranche und der Elektrotechnik. Auch im Landkreis Gießen schneidet der Maschinenbau enttäuschend ab.
Die Vogelsberger Industrie kommt schließlich auf einen Klimaindexwert von 84,7 gegenüber von 48,9 im Vorjahr. Damit wird zwar der niedrigste Klimawert erreicht, allerdings liegt mit 35,8 Punkten die höchste Steigerung vor. Dahinter versteckt sich eine Verbesserung in der Breite der Vogelsberger Industriestruktur – auf allerdings niedrigem Niveau.
Der Vogelsberger Einzelhandel kommt auf einen Klimaindex von 63,2 gegenüber 35,2 im Vorjahr. Somit weist die Branche auch hier, genau wie im Wetteraukreis und im Landkreis Gießen eine Verbesserung des wirtschaftlichen Klimas auf allerdings sehr niedrigem Niveau auf. Nach dem relativ guten Ergebnis der Vogelsberger Einzelhändler im Herbst, wo man sogar besser als der gesamte hessische Einzelhandel abschnitt, tritt nun offenbar wieder eine Normalisierung ein. Offenbar verlegt sich die Nachfrage aus dem Vogelsberg wieder mehr nach Fulda und Gießen. Der Wetterauer Einzelhandel schließt mit einem Klimaindex von 67,6 gegenüber 62,9 im Vorjahr ab. Damit wird hier nur eine geringe Verbesserung erzielt. Deutlicher ist die Stimmung im Einzelhandel des Landkreises Gießen gestiegen. Aktuell kommt man auf einen Index von 69,5 gegenüber 44,0 im Vorjahr, was einer Steigerung um gut 25 Punkte entspricht.
Insgesamt kommen im Landkreis Gießen die besten Ergebnisse aus dem Kreditgewerbe und dem Verkehrssektor.
In einer Sonderaktion wollte die IHK Antworten auf die Einschätzung der derzeitigen konjunkturellen Lage erhalten. Zunächst wurden die Unternehmen nach ihren Einschätzungen zu den größten Risiken der derzeitigen Entwicklung gefragt. Dabei sehen 71,7 Prozent aller Unternehmen die schwache bzw. fehlende Inlandsnachfrage als Risiko Nummer eins. Dabei ist überraschend, dass nur zwei Drittel der Einzelhändler diese Antwort geben. Nahezu gleichauf als zweitgrößtes Konjunkturrisiko sehen rund 43 Prozent der Betriebe die Unberechenbarkeit der Energie- und Rohstoffpreise. Die Zeit der hohen Ölpreise und signifikant gestiegenen Strompreise hat offenbar tiefe Verunsicherung hinterlassen. Als weitere Risiken werden die Höhe der Arbeitskosten und eine Verschärfung der Finanzierungssituation gesehen.
Verbesserte Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr sehen 7,3 Prozent aller Unternehmen. Bei der vergangenen Umfrage sahen dies 6,7 Prozent der Betriebe. Für 64,0 Prozent aller Betriebe, gegenüber 60,2 im Herbst, sind diese Konditionen gleich geblieben. Dagegen sehen 23,4 Prozent der Unternehmen verschlechterte Finanzierungskonditionen, dies waren im Herbst 30,7 Prozent der Betriebe. Allerdings sprechen 5,4 Prozent der Betriebe, gegenüber 2,4 Prozent bei der vergangenen Umfrage, von nicht verlängerten Krediten.
Die Zinssituation, gestiegene Anforderungen an die Sicherheiten bzw. gestiegene Ansprüche an die Dokumentationspflichten werden von den Unternehmen als Ausprägungen der verschlechterten Kreditkonditionen benannt. Verschlechterte Kreditkonditionen betreffen maßgeblich die Betriebsmittelkredite und – mit einigem Abstand – die Investitionskredite.
Von den hiesigen Banken und Kreditinstitute wissen wir, dass von der vielbeschworenen Kreditklemme keine Rede sein könne. Die Frage nach der Kreditklemme wird vermutlich erst dann akut, wenn die erhöhten Anforderungen der Banken an die Kreditvergabe auf steigende Investitionsabsichten der Betriebe trifft.
Durch das Wachstumsbeschleunigungsgesetz wurde zum Jahreswechsel ein wenig nachvollziehbarer Schritt im Bereich der Umsatzsteuer realisiert. Für die Hotellerie wurde der Mehrwertsteuersatz von 19 auf sieben Prozent abgesenkt und damit dem Einzelinteresse einer Branche nachgegeben. Die Kosten für diese Maßnahme liegen bei jährlich knapp einer Milliarde Euro. Wirtschaftsverbände erwarten und erste Umfragen zeigen, dass sich die Steuersenkung nicht in günstigeren Preisen für Hotelübernachtungen widerspiegeln wird. Fest steht vielmehr, dass sich bei sieben Prozent Mehrwertsteuer und konstanten Bruttopreisen die Nettopreise für Hotelübernachtungen erhöhen. Davon nachteilig betroffen sind z.B. Unternehmen, die Hotelkontingente für Pauschalreisen kaufen. Negativ betroffen sind auch Unternehmen, die ihren Arbeitnehmern die auf Dienstreisen entstandenen Übernachtungskosten erstatten. Durch die unterschiedlichen Steuersätze von Übernachtung und Verpflegung ist der Abrechnungsaufwand für Unternehmen erheblich gestiegen. Grundsätzlich ist das System der Umsatzsteuer nicht mehr nachvollziehbar: Der Wildwuchs bei den reduzierten Mehrwertsteuersätzen lässt jede Systematik vermissen. Diese Beliebigkeit ist kaum mehr zu vermitteln und führt zu willkürlichen Preis- und Wettbewerbsverzerrungen.
Pressemeldung Nr.: 38, 349 Zeilen, 22.139 Zeichen
Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt, Tel.: 06031 / 609-1100




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