Sanfter Anstieg
Hoffnungsträger China und Indien– Landkreis Gießen holt stark auf
(Gießen-Friedberg, 2.3.2010) – Die konjunkturelle Situation hat sich weiter verbessert. Das konjunkturelle Klima ist im Vergleich zur Umfrage im Sommer des vergangenen Jahres gestiegen. Noch deutlicher fällt die Steigerung beim Vergleich mit den Werten der Umfrage vom Jahreswechsel 2008/2009 aus. Der Tiefpunkt der Rezession lag im Frühjahr 2009. Damit kann dem sanften Anstieg des wirtschaftlichen Klimas nunmehr bereits eine gewisse Konstanz und Stabilität attestiert werden. Allerdings befindet sich die Stimmung lediglich auf dem Stand des Jahres 2005. Um auf das Niveau vor der globalen Finanzkrise zu kommen, werden noch einige Wachstumsjahre vergehen müssen. Die Regierung geht davon aus, dass nach der Schwächephase im Jahre 2013 das wirtschaftliche Niveau vor der Krise erreicht wird.
Bei der Einschätzung der aktuellen Lage ist derzeit fast jedes vierte Unternehmen zufrieden. Dies bedeutet keine Veränderung gegenüber der Umfrage des vergangenen Jahres. Sehr wohl aber im Vergleich zur Umfrage aus dem Herbst 2009. Leicht gesunken ist die Zahl der unzufriedenen Stimmen. Weitaus deutlicher ist die Verbesserung bei der Einschätzung zur künftigen Geschäftslage ausgefallen. Gingen vor einem Jahr rund acht Prozent der Betriebe von einer eher günstigeren Entwicklung aus, so sind heute 15 Prozent optimistisch gestimmt. Eine negative Entwicklung sahen im vergangenen Jahr 58 Prozent der Unternehmen voraus. Heute gehen nur noch 27,6 Prozent von einem negativen Verlauf des kommenden Halbjahres aus.
Damit wird heute ein Klimaindex von 91,8 ermittelt. Dieser Wert lag vor einem Jahr bei 68,5 und im Herbst 2009 bei 83,3. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen.
Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg fand von Mitte Dezember 2009 bis Mitte Januar 2010 statt. Befragt wurden rund 1.200 Mitgliedsbetriebe aus den Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau.
Erstmals, in dieser schwersten Rezession der Nachkriegszeit, sank das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2008, um genau 0,6 Prozent, im dritten Quartal 2008 betrug der Rückgang 0,3 Prozent. Im vierten Quartal 2008, also vor einem Jahr, lag der Rückgang schon bei 2,4 Prozent und im ersten Quartal 2009 bei minus 3,5 Prozent. Vier Quartale in Folge lag das BIP im Minus. Im zweiten Quartal 2009 stieg das Bruttoinlandsprodukt bereits wieder, allerdings nur um 0,3 Prozent. Für das vierte Quartal wird eine schwarze Null vorhergesagt. Die Wirtschaft war damit im vergangenen Jahr mit einem Minus von 5,0 Prozent so stark eingebrochen wie noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg. Für das laufende Jahr pendeln sich die Vorhersagen für das Wachstum des BIP um einen Wert von plus 1,5 Prozent ein. Dabei ist das Wachstum abhängig von eher klassischen Einflussfaktoren: Wie entwickelt sich der Dollarkurs? Wie entwickeln sich die Rohstoffpreise, speziell der Ölpreis? Werden tatsächlich Steuerentlastungen durchgesetzt? Und: Welche Belastungen kommen auf die Wirtschaft und die Konsumenten zu? Wird es doch noch eine Kreditklemme geben, wenn die Investitionsnachfrage einsetzt?
Bemerkenswert ist der robuste Arbeitsmarkt. Entgegen schlimmster Befürchtungen fühlt sich eine Arbeitslosenzahl von knapp 3,3 Millionen eher moderat an. Neben dem in der Krise erfolgreichen Instrument des Kurzarbeitergeldes muss hier die Standfestigkeit und die Verzichtsbereitschaft der Betriebspartner genannt werden. Modelle der Beschäftigungssicherung, gerade auf betrieblicher Ebene, sorgten für eine weitgehende Beibehaltung des Personalstammes. Damit können die Betriebe mit ihren gut ausgebildeten Belegschaften in die Zukunft gehen. Doch nun muss es wieder aufwärts gehen, denn eine weitere Wirksamkeit der beschäftigungssichernden Instrumente ist keineswegs gewährleistet.
Langer Weg
Die Unternehmen sehen keine rasche Erholung. Keinesfalls steht ein unmittelbarer, kräftiger Aufschwung bevor. Der Aufstieg aus dem tiefen Tal allerdings scheint sich zu verstetigen. Dabei braucht es jedoch einige Wachstumsjahre, um auf das Niveau von vor der Krise zu kommen. Der Abschwung ist gestoppt. Das derzeitige Niveau ist nicht mehr kläglich, aber auch nicht befriedigend.
Die deutlichsten Lichtblicke gibt es bei den Pharmabetrieben, den metallverarbeitenden Betrieben und im Automobilhandel. Das Baugewerbe strahlt einigermaßen Zufriedenheit aus. Der Dienstleistungssektor liegt sogar, wenn auch knapp, über der Zufriedenheitsschwelle des Klimaindex. Die weitere Entwicklung im Maschinenbau ist dagegen noch nicht absehbar. Während einige Maschinenbauer bereits wieder von gestiegenen Auftragseingängen aus dem Ausland sprechen, leiden noch viele Firmen unter den Folgen der Krise – die Zahl der Pleiten in der Branche schnellte auf ein Rekordhoch. Die relative Zufriedenheit bei den Automobilhändlern ist Vergangenheit. Die Abwrackprämie hat den Verkauf von vornehmlich ausländischen Kleinwagen gefördert. Der Absturz der Branche allerdings wurde vermutlich lediglich verzögert, da Käufe vorgezogen wurden. Für das Jahr 2010 stehen der Automobilwirtschaft, den Herstellern, den Zulieferern und den Händlern, schwierige Zeiten bevor.
Fast jeder vierte zufrieden
Insgesamt sind im IHK-Bezirk 23,9 Prozent der Unternehmen zufrieden mit der derzeitigen Lage. Vor einem Jahr waren genau so viele, aber bei der Herbstumfrage lediglich 20,6 Prozent. Die Struktur der unzufriedenen Stimmen hat sich verändert: Aktuell sind weniger Betriebe unzufrieden als sowohl vor einem Jahr als auch im Herbst. Daraus ergibt sich zwar immer noch ein negativer Stimmensaldo. Der liegt aktuell aber nur noch bei 3,6 Prozent und lag im Herbst bei 13,8 Prozent. Dies ist eine deutliche Verbesserung, auf allerdings schwachem Niveau.
Zuversicht wächst
Für das kommende Halbjahr gehen 15,0 Prozent der Betriebe von einem günstigeren Verlauf aus. Vor einem Jahr waren es lediglich 8,2 Prozent. Im Herbst allerdings 18,7 Prozent. Skeptisch blicken 27,6 Prozent der Betriebe nach vorn. Im Herbst waren 38,1 Prozent der Unternehmen pessimistisch. Im vergangenen Jahr sogar 58,0 Prozent. Daraus ergibt sich aktuell zwar ein negativer Stimmensaldo von 12,6 Prozent. Der lag vor einem Jahr aber bei hohen minus 49,8 Prozent und im vergangenen Quartal bei minus 19,4 Prozent. Beim Blick in die Zukunft wird der meiste Optimismus geschöpft. Die Zuversicht ins laufende Jahr scheint stabil.
Maschinenbau: Keine Wunder in 2010
Fünf Jahre lang blickte der Maschinenbau auf hoch erfreuliche Ergebnisse. Doch Umsatzrekorde, volle Auftragsbücher und boomende Märkte gehören nun der Vergangenheit an. Stattdessen kämpfen viele Maschinenbauer mit drastischen Nachfrage- und Umsatzrückgängen. Maßnahmen zur raschen Kostensenkung waren deshalb unerlässlich und wurden auch, mitunter schmerzhaft, realisiert. Doch auch hier war eines der Ziele inmitten der Krise, die Stammbelegschaft zu halten.
Interessant ist für die Branche sicher auch der Versuch des Bundes und der führenden Kreditversicherer, den Liquiditätsspielraum der Betriebe zu erhöhen. Bei anziehender Nachfrage gilt es, das Wachstum vorzufinanzieren. Insgesamt 7,5 Milliarden stellt der Bund für sein „Top-up Modell“ aus dem Kredit- und Bürgschaftsprogramm zur Verfügung. Die Gelder werden gerade von produzierenden Unternehmen benötigt, um die teure Vorfinanzierung ihrer Produkte, bei gleichzeitigen Zahlungszielen für die Kunden von 30 bis gar 180 Tagen. Kredite werden somit versichert, eine sinnvolle Hilfe des Staates.
Die Maschinenbauer gehen davon aus, dass die Krise noch nicht beendet ist. Der Auftragseingang der Branche lag im November real um zwölf Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Doch war dieses Ergebnis deutlich besser als in den Vormonaten. Im April beispielsweise beklagte die deutsche Vorzeigebranche Einbrüche von bis zu 58 Prozent. Insgesamt brach die Maschinenproduktion im Jahr 2009 um rund 20 Prozent ein. Wobei man im vergangenen Jahr noch von Auftragsüberhängen aus dem Jahr 2008 profitieren konnte. Insofern wird das laufende Jahr zur harten Bewährungsprobe. Nach 13 Monaten tiefen Falls hofft man nunmehr auf eine zaghafte Besserung. Größte Hoffnungen setzt man in den Betrieben auf neu einsetzende Nachfrage, gerade aus China, Indien und Brasilien.
Der Klimaindex des Maschinenbaus liegt genau bei 80,9 gegenüber 81,5 im Vorjahr.
Bau: Blaue Augen
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich 2009 im Baubereich wesentlich weniger ausgewirkt als in der Industrie. Im Jahre 2009 ging der Umsatz der deutschen Bauwirtschaft um vier Prozent zurück. Für das laufende Jahr rechnet die Branche mit einem neuerlichen Umsatzrückgang, der allerdings mit minus 1,5 Prozent schwächer ausfallen dürfte als im Vorjahr. Somit dürfte die Branche auch das zweite Jahr der schweren Krise mit einem blauen Auge überstehen. Weil die Konjunkturprogramme 2010 wohl auslaufen werden, dürfte das Jahr 2011 das eigentliche Krisenjahr der Bauunternehmen werden. Insbesondere im Wirtschaftsbau ist keine Trendwende zu erkennen. Erweiterungsinvestitionen, die Bauaufträge in der Regel zur Folge haben, sind noch die Ausnahme. Hier könnte auch der Begriff der „Kreditklemme“ die Situation verschärfen. Im Jahr 2009 gingen im Wirtschaftsbau die Umsätze deutschlandweit um zehn Prozent zurück. 2010 wird mit einem Minus von zwölf Prozent gerechnet. Im Wohnungsbau wird 2010, erstmals seit 2006, wieder mit einem Zuwachs bei den Wohnungsfertigstellungen gerechnet. Insofern wird hier eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau erwartet: 2009 gab es ein Umsatzminus von 5,5 Prozent und im laufenden Jahr wird sogar von einem ganz leichten Umsatzplus ausgegangen. Im öffentlichen Bau haben die Konjunkturprogramme voll durchgeschlagen. Eine positive Sondersituation gab es insbesondere im Straßenbau. Somit gab es 2009 ein Umsatzplus von fünf Prozent und 2010 werden sogar acht Prozent Steigerung erwartet. Nur: Was wird 2011?
Der Klimaindex der Bauwirtschaft liegt bei 122,5 gegenüber 103,9 im Vorjahr.
Einzelhandel: Cocooning stützt Weihnachtsgeschäft
Für den Einzelhandel hätte es im Krisenjahr schlimmer kommen können. Der befürchtete Umsatzeinbruch blieb aus. Die Umfrage fiel überdies ins Weihnachtsgeschäft, ein für den Einzelhandel lebensnotwendiger Zeitraum. Insgesamt wurde das befriedigende Ergebnis des Weihnachtsgeschäftes 2008 gehalten. Besonders profitieren Bau- und Heimwerkermärkte von der Sehnsucht der Menschen, sich in den eigenen vier Wänden wohl und sicher zu fühlen. Cocooning heißt der Fachbegriff aus der Welt der Trendforscher. Weitere Stimmen zeigen, dass insbesondere Einzelhandelsbetriebe, die hohe Qualität anbieten und auch deshalb über eine treue Stammkundschaft verfügen, mit dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft zufrieden waren. Sorgenfalten bereiten der Branche zum einen die weitere Entwicklung der Sparquote. Werden die Konsumenten aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes immer mehr Geld horten? Aber auch der anhaltende Trend zu den großen Einkaufszentren auf der grünen Wiese gibt Anlass zur Klage. Das Ende 2010 auslaufende hessische Gesetz zur „Stärkung von innerstädtischen Geschäftsquartieren“ soll demzufolge verlängert werden. Die Giessener Einzelhändler sind hier mit ihren BID-Lösungen Vorreiter.
Der Klimaindex im Einzelhandel liegt bei 68,0 gegenüber 51,0 im Vorjahr.
Gießen wieder vorn
Die besten Ergebnisse kommen aus dem Landkreis Gießen. Nachdem die letzten beiden Male der Wetteraukreis vorn lag, haben die Giessener nun erstaunlich aufgeholt. Bei der Umfrage im Herbst nämlich, lag der Landkreis Gießen noch hinter dem Vogelsbergkreis am Ende des IHK-internen Rankings. Am Ende der Skala liegt diesmal wieder, vergleichsweise abgeschlagen, der Vogelsbergkreis. Die Kreisergebnisse, die die IHK seit 2002 ermittelt wurden lange, fast schon traditionell, vom Landkreis Gießen angeführt.
Sämtliche Ergebnisse bewegen sich auf einem relativ niedrigen Niveau und liegen unter dem hessischen Durchschnitt. Der Landkreis Gießen kommt auf einen Klimainde von 97,7, gegenüber 70,3 im Vorjahr. Der Wetteraukreis erreicht einen Klimaindex von 92,1 gegenüber 75,2 im Vorjahr. Dahinter kommt der Vogelsbergkreis auf einen Klimaindex von 78,8 gegenüber 52,7 im Vorjahr. Damit weist der Landkreis Gießen eine satte Steigerung des Indexwertes um 27,4 Punkte auf. Der Wetteraukreis verbessert sich um 16,9 Punkte und der Vogelsbergkreis steigert sich um um ebenfalls hohe 26,1 Punkte gegenüber dem Vorjahr, verschlechtert sich allerdings als einziger Landkreis gegenüber der Herbstumfrage.
Der Klimaindex des IHK-Bezirkes liegt bei 91,8, gegenüber 68,5 im Vorjahr und 83,3 im Herbst 2009. Damit wird eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 23,3 Punkte erzielt. Alle drei Landkreise des IHK-Bezirks liegen schlechter als die Ergebnisse aus Hessen. Hessenweit wurde ein Klimaindex von 101,0, gegenüber 73,6 im Vorjahr und 94,3 bei der Herbstumfrage gemessen. Hessenweit also eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 27,4 Punkte.
IHK-Pressemeldung 39, 13.163 Zeichen, 190 Zeilen
Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt, Tel. 06031 / 609-1100 – K110




Zollforum Mittelhessen:
Steigern Sie Ihre Exportkompetenz! mehr ...
Jahresempfang:
Impressionen des Abends - Bilder jetzt online! mehr ...
Geldwäschegesetz:
Nicht auf Kosten der regionalen Wirtschaft! mehr ...
RSS
Drucken
Hier kommen Sie zur aktuellen Ausgabe und zum Archiv des IHK-Magazins