Gießen wieder vorn
Vogelsberg hinkt hinterher – Fachkräftemangel wird zum Problem
(Gießen-Friedberg, 18.10.2010) – Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg wurde auch diesmal nach den Ergebnissen in den drei Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau ausgewertet. Bei dieser Umfrage wurde darüber hinaus nach Veränderungen bei den Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr gefragt. Weiter äußerten die Unternehmen ihre Einschätzungen zu den Folgen der demographischen Entwicklung und zur Einstellung älterer Arbeitnehmer in den Betrieb.
Wie so häufig schneidet der Landkreis Gießen am besten ab. Die Wirtschaft des Landkreises kommt auf einen sehr guten Klimaindex von 122,3. Im Vergleich zur Umfrage im vergangenen Jahr bedeutet dies eine Steigerung um mehr als 40 Punkte. Damals rangierte der Kreis Gießen am Ende des IHK-Bezirkes. Erstmals seitdem die IHK die Klimaberechung auch auf Kreisebene vornimmt. Fast schon traditionsgemäß liegen die Giessener allerdings an der Spitze. Allerdings kaum mit dieser Deutlichkeit. Denn der Wetteraukreis folgt mit gehörigem Abstand und einem Klimaindex von 108,8 auf dem zweiten Rang. Die Unternehmen zwischen Butzbach und Bad Vilbel erreichen eine Steigerung des Klimawertes von 23,1 Punkten. Abgeschlagen mit eine Klimaindex von 96,8, gegenüber 85,7 im Vorjahr, folgt der Vogelsbergkreis auf dem dritten Rang. Das hervorragende Abschneiden des Kreises Gießen wird noch dadurch bestätigt, dass der aktuelle hessische Wert fast deckungsgleich bei 122,4 liegt. Üblicherweise liegt das hessische Ergebnis, meist um rund zehn Punkte, über dem besten Kreisergebnis des IHK-Bezirkes. Gießen hat demzufolge nicht nur mit Hessen gleichgezogen, sondern weist auch eine deutlichere Verbesserung gegenüber dem Vorjahr auf. Hier kommt Hessen lediglich auf eine Steigerung um 28,1 Punkte, der Landkreis Gießen dagegen verbessert sich um 42,7 Punkte.
Arbeitslosenquoten gehen zurück
Interessant in diesem Zusammenhang sind die neuesten Arbeitslosenquoten im August 2010. Danach liegt der Wetteraukreis mit 5,7 Prozent am besten und weist im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um immerhin 0,6 Prozentpunkte auf. Im Landkreis Gießen liegt die Arbeitslosenquote im August 2010 bei 7,6 Prozent und liegt damit ebenfalls 0,6 Prozentpunkte besser als im Vorjahr. Der Vogelsbergkreis schließlich liegt bei einer Arbeitslosenquote 6,0 Prozent und hat mit einem Rückgang um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr den stärksten aufzuweisen. Insgesamt liegt die Arbeitslosenquote in Mittelhessen bei 6,5 Prozent gegenüber 7,2 Prozent im Vorjahr.
Exporte: Hoher Rückgang im Wetteraukreis
Bei den Exportquoten 2009 ergibt sich ebenfalls ein differenziertes Bild. Hier liegt der Landkreis Gießen mit 37,8 Prozent vorn. Der Wetteraukreis liegt mit 25,8 Prozent erheblich dahinter, während der Vogelsbergkreis mit lediglich 23,4 Prozent die geringste Exportquote aufweist. In der Hochzeit der Krise waren diese Strukturen von Nachteil für den Landkreis Gießen, was auch die Ergebnisse der damaligen Umfragen bestätigt. Immerhin gab es im Zuge der Krise einen erheblichen Exporteinbruch. So ging die Exportquote im Landkreis Gießen im Jahre 2009 im Vergleich zu 2007 um 2,8 Prozentpunkte zurück, im Wetteraukreis sank die Quote im gleichen Zeitraum gar um 7,1 Prozentpunkte und im Vogelsbergkreis ging dieser Wert in den letzten zwei Jahren um 1,3 Prozentpunkte zurück. Nunmehr, wo die konjunkturelle Richtung wieder aufwärts weist, ist eine höhere Exportverflechtung von immensem Vorteil und es ist davon auszugehen, dass im laufenden Jahr die Exportquoten wieder steigen werden.
Industrie: Gießen und Wetterau fast im Gleichklang
Die besten Ergebnisse aus der Industrie kommen aus dem Wetteraukreis. Dort schließt man mit einem Klimaindex von 117,7 ab und weist damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Punke auf. Die besten Ergebnisse liefern hier die Betriebe aus dem Maschinenbau und der Metallerverarbeitung. Die Elektrotechnik liegt genau im Durchschnitt.
Im Landkreis Gießen kommt die dortige Industrie auf einen Klimaindex von 115,9 gegenüber 81,0 im Vorjahr und liegt damit fast auf gleichem Niveau wie die Industriebetriebe des Wetteraukreises. Hier kommen die besten Resultate aus der der Elektrotechnik und der Metallbranche. Hier schneidet der Maschinenbau enttäuschend ab und hat sich im Vergleich zum Vorjahr sogar verschlechtert.
Die Vogelsberger Industrie kommt schließlich auf einen Klimaindexwert von 91,3 gegenüber von 79,1 im Vorjahr. Damit wird sowohl der niedrigste Klimawert erreicht, als auch mit 12,2 Punkten die geringste Steigerung ermittelt. Dahinter versteckt sich eine Verbesserung in der Breite der Vogelsberger Industriestruktur – auf allerdings niedrigerem Niveau als im gesamten IHK-Bezirk. Auch hier allerdings liegen die Metallerzeugnisse gut im Rennen.
Einzelhandel: Prima Klima in Gießen
Der Giessener Einzelhandel weist fast eine Verdopplung des Klimaindex auf. Bei der aktuellen Umfrage liegt der Wert bei 112,1, gegenüber 59,1 im Vorjahr. Damit weist Gießen nicht nur eine sehr beachtliche Steigerung um 53 Punkte auf, sondern liegt auch über dem hessischen Einzelhandelsergebnis von 110,6. Die Vogelsberger Einzelhändler kommen auf einen Klimaindex von genau 100,0 und kommen im Vergleich zum Vorjahr auf eine Steigerung um gut sieben Punkte. Die Wetterauer Einzelhändler schließlich kommen auf den schlechtesten Wert: Zwischen Bad Vilbel und Butzbach, zwischen Ober-Mörlen und Büdingen, wird ein Wert von 76,6 ermittelt, was einer Steigerung um gerade einmal vier Punkte bedeutet.
Konjunkturrisiken Inlandsnachfrage und Energiepreise
In einer Sonderaktion wollte die IHK Antworten auf weitere aktuelle Fragestellungen der derzeitigen konjunkturellen Lage erhalten. Zunächst wurden die Unternehmen nach ihren Einschätzungen zu den größten Risiken der derzeitigen Entwicklung gefragt. Dabei sehen 46,9 Prozent aller Unternehmen die schwache bzw. fehlende Inlandsnachfrage als Risiko Nummer zwei. Nicht überraschend ist dabei, dass dieses Risiko bei den Einzelhändlern an Nummer Eins rangiert. Die nahezu unkalkulierbaren Energie- und Rohstoffpreise rangieren mit 48,3 als Risiko Nummer Eins. Noch deutlicher wird diese Befürchtung in der Industrie geäußert. Die Zeit der hohen Ölpreise und signifikant gestiegenen Strompreise hat offenbar tiefe Verunsicherung hinterlassen. Trotz Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke rechnet die Industrie mit weiter steigenden Stromkosten. Allein wegen der Umstellung auf alternative Energien. Die Risiken, die am geringsten denen am wenigsten „Fuchtpotential“ zugeordnet wird sind die Wechselkurse mit 6,7 Prozent, die Auslandsnachfrage mit 11,0 Prozent und die Finanzierung mit 16,7 Prozent.
Fehlende Fachkräfte als größtes Problem
Als problematischste Folge der demographischen Entwicklung definieren die Unternehmen mit 42,1 Prozent den Mangel an Fachkräften. Erst mit gehörigem Abstand wird mit 25,2 Prozent als zweites Argument die starke Alterung der Belegschaft genannt. Der Mangel an Fachkräften wird in der Bauindustrie, bei den Investitionsgüterproduzenten und den Speditionen weit überdurchschnittlich als größtes Problem genannt. Dagegen spielt dieser Mangel in der Gastronomie eine unterdurchschnittliche Rolle.
Bei der Frage nach den Rahmenbedingungen zur Einstellung älterer Arbeitnehmer sind 42,9 Prozent der Betriebe der Meinung, es seien keine Änderungen notwendig. Fast genau so viele sind allerdings der Meinung, mit einem geänderten Kündigungsschutz, würden mehr ältere Arbeitnehmer eingestellt. Genau 42,4 Prozent der Betriebe meinen, eine höhere Flexibilität wäre hier von Nutzen für beide, Arbeitgeber und älterer Arbeitnehmer. Auch eine Lockerung der Befristungsregeln sind für 31,8 Prozent der Betriebe wünschenswert und würden zu mehr Einstellungen älterer Beschäftigter führen.
Finanzierungskonditionen kein Problem mehr
Verbesserte Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr sehen 10,6 Prozent aller Unternehmen. Dies waren bei der Umfrage zu Jahresbeginn noch 7,3 Prozen und vor Jahresfrist sahen dies 6,7 Prozent der Betriebe. Für 72,0 Prozent aller Betriebe, gegenüber 64,0 Prozent zu Jahresbeginn und 60,2 im Vorjahr, sind diese Konditionen gleich geblieben. Dagegen sehen 15,9 Prozent aller Unternehmen verschlechterte Finanzierungskonditionen, gegenüber 23,4 Prozent zu Jahresbeginn und 30,7 Prozent im Vorjahr. Nur noch 1,4 Prozent aller Betriebe sprechen von nicht verlängerten Krediten, gegenüber 5,4 Prozent zu Jahresbeginn.
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Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt, Tel. 06031 / 609-1100




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