Besserung überall – fast überall
Ergebnisse der IHK-Umfrage nach Branchen
(Gießen-Friedberg, 18.10.2010) – Auch diesmal geht die Konjunktur-Umfrage wieder detaillierter auf die wirtschaftliche Lage einiger Branchen im IHK-Bezirk ein. Lichtblicke in diesen Vorjahr.
Maschinenbau verdoppelt Prognose
Die deutschen Maschinenbauer gehen von einer Steigerung der Produktion um sechs Prozent aus. Das ist eine glatte Verdoppelung gegenüber der seitherigen Prognose. Grund hierfür: Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau kann für das erste Halbjahr 2010 eine ausgesprochen positive Bilanz ziehen. Die Konjunktur hat sich wesentlich besser entwickelt als es die Branche noch vor Jahresfrist erwartet hatte. Für den Mai errechnete sich 5,4 Prozent Produktionswachstum, für den Juni sogar 9,5 Prozent Wachstum. Für den Juli geht man von einem Plus von über neun Prozent aus. Die Auslastung des Maschinenbaus war im Juli mit 82,9 Prozent im Durchschnitt der Branche wieder recht passabel. Die Exporte wuchsen in der ersten Jahreshälfte preisbereinigt um 3,5 Prozent. Der Aufschwung wird nun von immer mehr Ländern getragen. Die stärksten Impulse kommen von amerikanischen und asiatischen Entwicklungs- und Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien, aber auch aus anderen Ländern wie Russland, Schweiz, Polen, Türkei, Korea, Ungarn belebt sich die Nachfrage.
Seit Februar 2010 geht es bei den Orders deutscher Maschinen und Anlagen mit hohen zweistelligen Wachstumsraten bergauf. Insgesamt errechnet sich für die ersten sieben Monate ein Auftragsplus von 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der inländische Bestelleingang hält durchaus im Tempo mit. Er läuft lediglich – und das ist für die gesamte Wirtschaft in Deutschland typisch – der Auslandsnachfrage zeitversetzt etwas hinterher und kommt daher zunächst „nur“ auf 29 Prozent Plus. Diese zeitliche Verzögerung kann übrigens nicht nur jetzt im Aufschwung beobachtet werden, sondern hatte auch im Absturz 2008 seine Gültigkeit.
Der Klimaindex des Maschinenbaus liegt bei 110,4 gegenüber 100,0 im Vorjahr.
Kleines Sommermärchen beim Bier
Der Juli war mit einem Absatzplus von 5,6% für die deutschen Brauer erfreulich. Die Exportzahlen zeigen, dass im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr deutsches Bier, gerade auch in anderen Staaten genossen wurde. Vermutlich, um die Siege der deutschen Nationalmannschaft mit deutschem Bier zu feiern und bei gutem Sommerwetter an der deutschen Geselligkeit und Lebensfreude teilzuhaben. Die Witterung und eine gute Stimmung, die sicherlich auch dem erfolgreichen Verlauf der Fußball-WM zu verdanken ist, haben dazu beigetragen, dass der Gesamtbierabsatz von Januar bis einschließlich Juli um nunmehr 0,3% höher war, als der Vergleichszeitraum des Vorjahres. In den nächsten Jahren ist wegen der soziodemographischen Veränderung der Gesellschaft von einem leicht rückläufigen Bierabsatz auszugehen. Für das laufende Jahr sind die deutschen Brauer halbwegs optimistisch. Derzeit werden rund 5.000 Biere in 1.327 Braustätten gebraut. Die Konzentrationswelle in der Branche sorgt dafür, dass 14 Prozent der Branche für 95 Prozent des Bierausstoßes verantwortlich sind.
Hassia besteht als einziger
Bei der Zahl der hiesigen Mineralbrunnen ist nunmehr eine weitere Reduzierung nicht mehr möglich. Die Hassia-Mineralquellen GmbH in Bad Vilbel hat zum 1.9.2010 Kronia komplett übernommen. Nachdem auch die Bad Nauheimer Mineralbrunnen in Dorheim aufgab, ist einzig Hassia in Bad Vilbel noch Mineralwasserproduzent in der Wetterau. Allein in Bad Vilbel exisiterten einst 29 Mineralbrunnen. Hinter Gerolsteiner liegt Hassia gemeinsam mit Danone auf dem zweiten Platz des nationalen Rankings der absatzstärksten deutschen Markenanbieter. Als konsequenter Anbieter im oberen Preissegment besteht Hassia den ruinösen Wettbewerb der Discounter.
Der Klimaindex in der Getränkebranche liegt bei 61,2, gegenüber 83,3 im Vorjahr.
Bau verhalten gut
Während sich andere Branchen über zweistellige Zuwachsraten freuen können, läuft die konjunkturelle Entwicklung in der deutschen Bauwirtschaft eher verhalten.
Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im zweiten Quartal ist im Vergleich zum Vorjahresquartal nur um nominal 0,5 % gestiegen. Es ist lediglich der guten Auftragsentwicklung im ersten Quartal zu verdanken, dass die Unternehmen das erste Halbjahr noch mit einem Auftragsplus von 4,2 % abschließen konnten. Offenbar ist die öffentliche Baunachfrage schlechter gelaufen, als es die Konjunkturprogramme hätten erwarten lassen.
Als enttäuschend gilt die öffentliche Baunachfrage: Die Auftragseingänge lagen im zweiten Quartal um 7,9 % unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Auch die Umsätze blieben hinter den Erwartungen zurück: Die Bauunternehmen verzeichneten lediglich einen leichten Zuwachs von 1,5 %. Damit ergibt sich für das 1. Halbjahr im Öffentlichen Bau ein Auftrags- bzw. Umsatzminus von 1,5 % bzw. 3,2 %. Viele Städte und Gemeinden haben ihre Investitionspläne vor dem Hintergrund der angespannten kommunalen Finanzsituation zurückgenommen. Angesichts der weiterhin bestehenden Risiken im Wirtschaftsbau kommt der Rückzug der öffentlichen Auftraggeber für die Baubranche zu früh. Die Kommunen müssten ihre Investitionszurückhaltung aufgeben, werden das aber wegen der Finanzsituation nicht tun.
Erfreulich ist dagegen, dass der von der Wirtschaftskrise besonders getroffene Wirtschaftsbau in der gesamtwirtschaftlichen Erholungsphase schneller angesprungen ist als erwartet: Der Auftragseingang nahm im zweiten Quartal um nominal 7,8 % zu, damit im ersten Halbjahr gar um neun Prozent. Die Bauunternehmen profitierten dabei von der verbesserten Kapazitätsauslastung im Verarbeitenden Gewerbe. In der Produktion ist dieser Nachfrageimpuls aber noch nicht angekommen. Der Wirtschaftsbau ist also noch nicht „über dem Berg“. Dafür spricht auch, dass der Wert der Baugenehmigungen nichtöffentlicher Bauherren in den ersten sechs Monaten um 19,6 Prozent zurückgegangen ist. Dagegen löst sich der Wohnungsbau langsam, aber sicher von der Talsohle: Im zweiten Quartal konnten die Unternehmen ein Auftragsplus von nominal 7,6 Prozent verbuchen. Der Erholungsprozess schlug sich bereits in den Umsätzen nieder, die um 5,1 % gestiegen sind.
Der Klimaindex in der Baubranche liegt bei 132,3, gegenüber 129,1 im Vorjahr.
Mehr Leefahrten bei Speditionen
Die Branche ist unmittelbar von der Industrie und dem Handel abhängig. Werden Güter produziert, werden sie auch transportiert. Danach ist Verkehr eine abgeleitete Nachfrage. Die Spediteure klagten im Jahre 2009 über einen Rückgang des Transportaufkommens um rund elf Prozent. Um das Aufkommen ihrer Hauptkunden bei hohem Termindruck befördern zu können, mussten die Unternehmen höhere Leerfahrtenanteile in Kauf nehmen. Für das laufende Jahr 2010 geht die Branche von einer spürbaren Belebung der Güterverkehrskonjunktur hin. Für die Transportnachfrage wird eine Zunahme von rund fünf Prozent beim Transportaufkommen prognostiziert. Zuwächse erwarten die Speditionen aus dem fortschreitenden Outsourcing der Logistik bei Industrie und Handel, verbunden mit der Kontraktlogistik.
Der Klimaindex in der Verkehrsbranche liegt bei 81,0, gegenüber 53,0 im Vorjahr.
Einzelhandel auf dem Weg der Besserung
Die gesamtwirtschaftliche Erholung, der Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt und die stabile Verbraucherstimmung haben die Rahmenbedingungen für den Einzelhandel im Laufe der vergangenen Monate verbessert. Sie sind derzeit so gut wie seit Beginn der Wirtschaftskrise nicht mehr. Deshalb ist 2010 eine bessere Umsatzentwicklung als zu Jahresbeginn absehbar möglich Am Ende des Jahres könnte der Einzelhandel also einen guten Teil des Umsatzverlustes aus dem Vorjahr mit minus zwei Prozent wieder aufgeholt haben. Dies ist aber nicht viel mehr als eine Rückkehr zur Normalität. Die skeptische Stimmung hat jetzt deutlich nachgelassen. Gleichzeitig ist der Optimismus noch nicht so recht spürbar. Die Gewinnlage hat sich nach der sehr schlechten Entwicklung in den Jahren 2007 und 2008 für viele Händler verbessert. Mitentscheidend für die Fortsetzung des positiven Trends ist, dass es keine weiteren Konsum-Regulierungen gibt, auch nicht beim Ladenschluss. Das Chaos der kommunalen Ladenschluss-Lösungen verwirrt Konsumenten und Einzelhändler. Regelungen zum Ladenschluss sollten einheitlich sein und dem Lebensstil und den Erwartungen der Verbraucher gerecht werden. Das gilt besonders beim Weihnachtsgeschäft, das für den Einzelhandel sehr wichtig ist.
Der Klimaindex im Einzelhandel liegt bei 95,0 gegenüber 72,1 im Vorjahr.
WM sorgt für Umsatzanstieg in Gastronomie
Das Gastgewerbe zieht trotz der Konjunkturerholung eine gemischte Bilanz des ersten Halbjahres 2010. Die Hotels spüren den Aufschwung und profitieren insbesondere vom Städtetourismus. Aber die Hotellerie profitiert auch von der umstrittenen Reduzierung des Mehrwertsteuersatzes von sieben auf 19 Prozent. Die Kneipen und Restaurants dagegen warten noch auf bessere Zeiten. Die Wirte litten im ersten Halbjahr vor allem unter dem langen Winter und einem nasskalten Frühjahr. Auch die Fussball-WM konnte das nicht wettmachen, obwohl im Juni der stärkste Umsatzanstieg seit zwölf Jahren verzeichnet wurde. Auch in der Gastronomie wird es also noch einige Zeit dauern, bis das Niveau von vor der Krise erreicht wird.
Der Klimaindex in der Gastronomie liegt bei 109,5, gegenüber 100,0 im Vorjahr.
Stabiler Markt Medizintechnik
Der Gesundheitsmarkt ist ein stabiler Markt. Menschen werden krank – sowohl in Boom-Zeiten als auch in Rezessionen. Sie erleiden Unfälle und müssen zum Arzt. Verbandsmaterial wird deshalb immer benötigt, genau wie hochwertige medizintechnische Geräte. Je mehr Menschen auf der Erde leben und je älter sie werden, umso größer der Bedarf an Medizintechnik. Bis zum heutigen Tage sind daher die Betriebe aus diesem Wirtschaftssegment vergleichsweise wenig von der globalen Krise betroffen.
Seit 2007 werten wir die Branche „Medizintechnik“ aus. Wir haben dazu sämtliche Firmen aus unserem Bezirk, die in dieses Raster fallen, mit in die Konjunkturbefragung aufgenommen bzw. in dieser Gruppe zusätzlich zusammengefasst.
Der Klimaindex in der Medizintechnik liegt bei 135,2, gegenüber 93,1 im Vorjahr.
IHK-Pressemeldung 144, 10.304 Zeichen, 155 Zeilen
Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt, Tel.: 06031/609-1100




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