Ansprache von
Präsident Dr. Wolfgang Maaß
anlässlich des IHK-Jahresempfangs
am 31. Mai 2010
auf der Landesgartenschau in Bad Nauheim
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
ich begrüße Sie ganz herzlich zum Jahresempfang der
IHK Gießen-Friedberg auf dem Gelände der 4. Hessischen
Landesgartenschau in Bad Nauheim. Vielen Dank, sehr geehrter Herr
Kind, für Ihre einleitenden Worte und die tatkräftige
Unterstützung, die wir bei der Ausrichtung des Empfangs durch Sie
und Ihr Team erhalten haben. Dem Bürgermeister von Bad Nauheim,
Herrn Bernd Witzel, sage ich ein herzliches Dankeschön, dass wir in
Ihrer blühenden Stadt zu Gast sein dürfen.
Sie wissen, dass wir– nicht zuletzt aus
Kostengründen – den sonst zu Jahresbeginn üblichen Empfang in
Gießen sowie den Sommerempfang in Wetterau oder Vogelsberg dieses
Jahr zusammengelegt haben und sahen hierfür – nicht zuletzt wegen
der Landesgartenschau – in Bad Nauheim den idealen Standort. So
freue ich mich, dass unsere Einladung wieder eine so große Resonanz
gefunden hat. Ich sehe sehr viele bekannte Gesichter.
Repräsentanten der Wirtschaft, aber auch aus Politik, Verwaltung
und Verbänden Mittelhessens und darüber hinaus sind heute hier. Sie
alle zeigen damit Ihre besondere Verbundenheit mit der IHK und Ihr
Interesse an dem heutigen Festvortrag. Es mir eine besondere Ehre,
unseren heutigen Festredner, Professor Dr. Dr. Friedrich
Grimminger, Direktor der medizinischen Kliniken 4 und 5 des
Universitätsklinikums Gießen und Marburg GmbH, zu begrüßen.
Herzlich Willkommen, sehr geehrter Herr Professor Grimminger!
Zu Beginn hörten Sie Frank Füglein und Michael
Hofmann, die seit dem Jahr 2006 gemeinsam als "The Tenders" auf der
Bühne ihre große Leidenschaft – Swing und Evergreens – leben. Zuvor
waren beide langjährig als Solisten erfolgreich und zeigten ihr
Können in vielen bekannten Shows des Deutschen Fernsehens. "The
Tenders" bieten ihre Musik mittlerweile auf nationalen und
internationalen Bühnen dar. Freuen Sie sich also mit mir auf eine
weitere mitreißende Zeitreise in die Welt des Swing und der
Evergreens am Ende des offiziellen Teils!
Meine sehr geehrten Damen und Herren, zurück vom
Evergreen, dem „Immergrünen“ zum „immer Blühenden“ – zumindest bis
zum 3. Oktober diesen Jahres, bis die Hessische Landesgartenschau
ihre Pforten schließt. Auf cirka 38 ha Fläche – das entspricht etwa
der Fläche von 53 Fußballfeldern – konnten und können Sie auf der
Landesgartenschau 163 Tage lang Gartenkunst und Gartenkultur
„Schauen – Erleben – Mitmachen“. Die Stadt Bad Nauheim hat 8,4
Millionen Euro in die Gestaltung des Areals investiert. Das Land
Hessen gab einen Zuschuss in Höhe von 3,3 Millionen Euro. Dazu
wurden 20 Millionen Euro in die Verbesserung der Infrastruktur
investiert. Viele, viele fleißige Hände setzten rund 300.000
Blumenzwiebeln und über 1.000 Gehölze, sanierten 12.000
Quadratmeter Kurparkwege, legten im Goldsteinpark 2 ha. neu an,
vitalisierten 9 ha. Wiesenfläche und säten 5 ha. neu ein. Unser
Glückwunsch gilt allen Planern, Ausführenden und den gärtnerischen
Ausstellern, die diese herrliche Kulisse für unseren diesjährigen
Empfang gestaltet haben. Danken möchte ich auch all denjenigen, die
als Sponsoren die tollen Kunstwerke ermöglicht haben, die wir hier
bestaunen können.
Die Veranstalter der Landesgartenschau in Bad
Nauheim rechnen mit bis zu 500.000 Besuchern – rund 1000 steuern
wir heute bei. Wenn die Prognose eintritt, wäre das ein spürbarer
und nachhaltig positiver Effekt für die heimische Wirtschaft. Die
IHK hat schon im Vorfeld dieses Großereignisses die
Unternehmensvertreter in der Region und die Veranstalter der
Landesgartenschau vernetzt. Die Leitidee war: „Wie kann die
regionale Wirtschaft von der Landesgartenschau profitieren?“ Mit
den Wirtschaftsverbänden der Stadt gab es dazu einen „Runden
Tisch“, der dem Austausch untereinander, aber auch als
Diskussionsplattform mit der Landesgartenschau-Gesellschaft diente.
Unternehmer aus Orten, in denen bereits früher Landesgartenschauen
stattgefunden haben, berichteten hiesigen Unternehmern, wie sie von
der Landesgartenschau profitiert haben.
Gartenschauen setzen ja nicht nur wichtige Impulse
für die Stadtentwicklung. Durch die beiden Parkflächen hier in Bad
Nauheim – Kurpark und Goldsteinpark – werden die Besucher über eine
verbindende Achse quer durch die Stadt gelenkt. Hier soll ein
nachhaltiger Eindruck von der Schönheit dieser Stadt entstehen. Der
Gast soll wiederkommen, und davon werden langfristig auch
Gastronomie und Einzelhandel profitieren. Der Verein Wirtschaft für
Bad Nauheim e.V. hat zusammen mit der Stadt den Themengarten
„Welcome to Bad Nauheim/Friedberg“ auf der Landesgartenschau
gestaltet. Ziel ist es, die touristischen, medizinischen und
sportlichen Aktivitäten der Region bekannter zu machen. Immerhin
bewirbt sich Bad Nauheim als Gastgeber für eine Nationalmannschaft
während der Frauenfußballweltmeisterschaft 2011 in Deutschland.
Vorher erwartet uns in diesem Jahr ja aber erstmal noch die
Fußballweltmeisterschaft der Männer in Südafrika. Und, um beim
Fußball zu bleiben, sage ich in Anlehnung an Sepp Herberger: „Nach
der Landesgartenschau ist vor der Landesgartenschau“. Ich kann
Ihnen nämlich heute schon die nächste Landesgartenschau in unserem
IHK-Bezirk ankündigen: 2014 werden Sie das Blütenmeer in
Gießen erleben können. Eine Arbeitsgruppe des
IHK-Regionalausschusses Gießen bereitet bereits den Boden für das
Großereignis. Und unser Ehrenmitglied Wilfried Behrens ist mit
großem Engagement als Vorsitzender des Fördervereines dabei.
Meine Damen, meine Herren, wir leben in
wirtschaftlich bewegte Zeiten. Ist die Krise schon vorüber, oder
stecken wir noch mitten drin? Steht die nächste Krise vor der Tür?
Die Unternehmen haben die Rezession heftig zu spüren bekommen. Die
Folgen waren zwar durchaus unterschiedlich – je nach Branche,
Unternehmensgröße und Region. Aber die Auswirkungen sind für uns
alle sichtbar; die Umwälzungen hinterlassen deutliche Spuren. Für
viele Firmen sind ganze Märkte weggebrochen. Kunden sind von heute
auf morgen abgesprungen.
Inzwischen erholt sich die Wirtschaft langsam. Die
aktuelle IHK-Konjunkturumfrage zeigt, dass unsere Unternehmen
gerade wieder über die Zufriedenheitsschwelle treten. Vor einem
Jahr war der Stimmungstiefpunkt erreicht. Noch ist jedoch offen,
wie die täglichen Diskussionen um den EU-Partner Griechenland, die
zunehmenden Unsicherheiten um den Euro und die
Konsolidierungspolitik der öffentlichen Haushalte auf die Stimmung
unserer Betriebe schlagen. Horrende Staatsverschuldungen, nicht nur
in Hellas, Italien, Portugal oder Spanien, und Inflationsgefahren,
diese zweite Mega-Krise hat es in sich.
Die Politik sollte aufhören, auf „Spekulanten“ zu
schimpfen – das könnte auf sie selbst zurückfallen. Denn wer hat in
der Vergangenheit gigantische Defizite aufgebaut und darauf
spekuliert, dass dies folgenlos bleibt? Wer hat über die eigenen
Defizite die Unwahrheit verbreitet oder sich bewusst täuschen
lassen und dann darauf spekuliert, dass dies keine Verwerfungen im
Euro-Währungsraum verursacht? Und wer spekuliert darauf, dass das
Heraushauen von Ländern mit hohen Staatsdefiziten von den
Devisenmärkten möglichst ungesühnt bleibt? Und inwieweit wären
diese Personen bereit, mit ihrem eigenen Geld auf die Position zu
setzen, die sie nach
außen hin vertreten?
Aber ein kleiner Trost bleibt: ein schwacher Euro
sorgt für einige Erleichterung im Export. Das zeigen die jüngsten
Zahlen über gestiegene Ausfuhren und Produktionszahlen. Nur, werden
die auch zum Sparen gezwungenen Bestimmungsländer ihre Nachfrage so
ausweiten, dass unsere Exporteure profitieren, oder greift auch in
den europäischen Hauptabnehmerländern depressive Krisenstimmung um
sich? Überdies werden wir uns sicher wieder mit langfristig
steigenden Spritpreisen auseinandersetzen müssen.
Was also ist vonnöten, damit neben Gärten auch die
Wirtschaft wieder aufblüht? Ausgangspunkt für Wachstum und eine
gute Ernte ist ein ertragreicher Boden. Die Wetterau ist übrigens –
wegen des hohen Lössanteils – eine der fruchtbarsten Landschaften
Deutschlands, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Man
spricht in Fachkreisen scherzhaft auch von den „Schokoladenböden
der Wetterau“. Doch ein guter Boden allein, meine Damen und Herren,
ist noch kein Garant für einen hohen Ertrag. Um Erfolge zu ernten,
braucht es weit mehr:
Bevor die Aussaat erfolgt, müssen die
Voraussetzungen für Wachstum geschaffen werden. Die politischen
Rahmenbedingungen müssen stimmen, um blühende Volkswirtschaften
hervorzubringen, um Ihnen, den Unternehmern eine solide Grundlage
zu schaffen, auf der Sie gut wirtschaften können. Einige von Ihnen
wissen, dass wir, die IHK Gießen-Friedberg, innerhalb der
Arbeitsgemeinschaft hessischer IHKs, kurz ARGE genannt, die
Federführung Steuern inne haben. Zu Beginn diesen Jahres haben wir
der Hessischen Landesregierung steuerpolitische Positionen
vorgelegt. Darin sind Vorschläge für ein wettbewerbsfähiges
Steuerrecht formuliert. Wir wissen, dass angesichts der desaströsen
Finanzlage der öffentlichen Haushalte umfangreiche Steuersenkungen
nicht durchsetzbar sind. Wir fordern aber von der Politik eine
grundlegende Neuordnung des Steuerrechts im Sinne von Einfachheit
und Nachvollziehbarkeit.
Ein Vorschlag dazu ist der Abbau von Ausnahme- und
Subventionstatbeständen. Damit lassen sich einerseits unsinnige
Steuergestaltungen verhindern und andererseits finanzielle
Spielräume schaffen, die eine allgemeine Tarifsenkung auch vor 2013
finanzierbar machen. Entscheidend ist doch, Deutschland als
attraktiven Anlage- und Produktionsstandort weiter zu entwickeln
und krisenfest zu machen. Nur so lassen sich auch künftig Arbeits-
und Ausbildungsplätze sichern. Ein weiterer Vorschlag lautet, die
Zinsschranke und die gewerbesteuerlichen Hinzurechnungen
abzuschaffen bzw. zumindest auszusetzen, um Unternehmen in der
Krise zu entlasten.
Darüber hinaus fordern wir eine grundlegende
Überarbeitung des Umsatzsteuersystems. Ich bleibe dabei: Die
Absenkung des Mehrwertsteuersatzes für Hoteldienstleistungen ist
ordnungspolitisch äußerst bedenklich. Es ist keine Lösung, einzelne
Branchen zu begünstigen und damit weitere Ausnahmen vom
Regelsteuersatz einzuführen. Das zeigt den Zustand des deutschen
Steuerrechts: Eine Ausnahme führt zur nächsten, und am Ende fühlen
sich doch alle benachteiligt. Hotelübernachtungen werden nun mit 7
Prozent Umsatzsteuer abgerechnet, Frühstück und Minibar im Hotel
mit 19 Prozent. Umsätze mit dem Schuhputzautomaten oder mit
Schuhputzzeug sind mit 7 Prozent belastet, das Putzen der Schuhe
als Dienstleistung im Hotel jedoch mit 19 Prozent. Solche
Kuriositäten sind überall im Umsatzsteuerrecht zu finden und tragen
dazu bei, dass das deutsche Steuerrecht noch unübersichtlicher und
unverständlicher wird. Nutzen Sie die Steuerinfos Ihrer IHK. Gehen
Sie gleich morgen auf die Homepage, und laden Sie sich die
Informationen zur Orientierung im Steuerdschungel herunter! Die
Adresse steht übrigens vorne auf der Gästeliste.
Eine weitere Grundlage für gedeihliches
Wirtschaften ist ein klarer Ordnungsrahmen für den Finanzmarkt. Der
Staat hat die Aufgabe, die Regeln der Marktprozesse, die zur
Finanzkrise geführt haben, zu überprüfen. Ein Großteil der
Finanzkrise wurde durch falsche Ratings ausgelöst, das heißt eine
unechte Beurteilung der wirtschaftliche Lage und Zahlungsfähigkeit
eines Unternehmens – oder aktuell auch von Staaten. Reihenweise
wurden Unternehmen schlechtester Bonität mit dem höchsten
Gütesiegel bewertet. Ratingagenturen definieren nicht nur den
Standard für die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens, sondern sie
überprüfen auch die Einhaltung dieses Standards. Das bedeutet, dass
das Setzen von Regeln und das Überprüfen dieser Regeln in einer
Hand liegen. Das wäre so, als ob der Schiedsrichter gleichzeitig
Mitspieler wäre. Wenn es weiterhin private Ratingagenturen geben
soll, müssen formalisierte Zulassungsverfahren und
Qualitätsstandards eingeführt werden. Gelingt das nicht, müssten
die Ratingagenturen unabhängigen Institutionen zugeordnet werden –
z.B. dem Internationalen Währungsfonds oder den Zentralbanken. Doch
was ist passiert? Nichts! Die Staaten agieren bezüglich der
Ratingagenturen, als ob es die Finanzkrise nie gegeben hätte und
legen damit schon den Grundstein für die nächste Krise. Das Denken
in kurzfristigen Erfolgskategorien hat immer noch die Oberhand.
Meine Damen, meine Herren, um schon bei der Aussaat
die Grundlage für einen hohen Ertrag zu legen, muss zudem auf die
Qualität des Saatgutes geachtet werden. Die Ausbildung und
Qualifikation von Mitarbeitern steht daher ganz oben auf der Agenda
der IHK Gießen-Friedberg. Denn Unternehmen, die heute aus- und
weiterbilden, haben morgen die Nase vorn. Die demographische
Trendwende schlägt auf den Arbeitsmarkt durch. Dass wie erwartet
nicht die Ausbildungsstellen, sondern die Bewerber knapp sind,
bestätigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Industrie- und
Handelskammertages unter 15.000 Unternehmen. Während Jugendliche
trotz der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Situation gute
Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben, wird es für Unternehmen
zunehmend schwieriger, geeigneten Fachkräftenachwuchs zu
generieren. Das liegt auch an der mangelnden Ausbildungsreife
vieler Schulabgänger, das heißt unzureichende schulische
Qualifikationen sowie mangelnde persönliche Kompetenz. Immer mehr
Unternehmen organisieren daher mittlerweile selbst Nachhilfe für
ihre Auszubildenden. Selbst im Krisenjahr 2009 konnte bereits jeder
fünfte Betrieb – die Zahl gilt sowohl bundesweit als auch für
unseren IHK-Bezirk – nicht alle Ausbildungsplätze besetzen.
Infolgedessen schätzt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag
ein Minus von fünf Prozent bei den neuen IHK-Ausbildungsverträgen
als realistisch ein. Der Umfrage zufolge bleibt bei drei von vier
Unternehmen das Ausbildungsplatzangebot stabil. Im IHK-Bezirk
Gießen-Friedberg wollen 74 Prozent der Ausbildungsbetriebe ihr
Ausbildungsangebot aufrechterhalten, zehn Prozent sind sogar
entschlossen, mehr auszubilden. Das betrifft vor allem Betriebe mit
zehn bis 199 Beschäftigten.
Auch wenn sich die Auswirkungen der Krise
abschwächen und sich der Mittelstand als stabile Stütze der
Ausbildung erweist, muss es unser gemeinsames Ziel bleiben, den
Ausbildungspakt weiterzuentwickeln. Mehr Jugendliche als bisher
müssen in die Lage versetzt werden, nicht nur eine betriebliche
Ausbildung aufzunehmen, sondern diese auch erfolgreich
abzuschließen. Jeder Jugendliche, der will und kann, soll ein
Ausbildungsangebot erhalten – das muss auch zentrales Thema des
Ausbildungspakts bleiben! Um jungen Menschen die Vielfältigkeit der
dualen Ausbildung und deren Anforderungen deutlich zu machen, und
gleichzeitig Unternehmen zum Ausbilden zu animieren, veranstaltet
die IHK Gießen-Friedberg unter anderem jährlich Ausbildungsmessen.
Ich nenne hier beispielhaft den „Berufswegekompass“, den wir am 29.
September in der Stadthalle in Friedberg durchführen werden.
Meine Damen, meine Herren, es kann nur nachhaltig
aufwärts gehen, wenn wir es schaffen, dass Unternehmen investieren
und damit der Wirtschaftskreislauf in Schwung kommt. Verschiedene
Faktoren fördern das Wachstum. Ein Teil der Basisdüngung sozusagen
ist eine funktionierende Finanzierung und Kreditversorgung. Dafür
machen wir uns weiterhin stark. Eher ein Instrument der
Erhaltungsdüngung ist beispielsweise der „Runde Tisch“ der IHK
Gießen-Friedberg. Beim „Runden Tisch“ wird dem Unternehmen ein von
der Kreditanstalt für Wiederaufbau, der KfW, bezahlter
Unternehmensberater zur Seite gestellt. Die IHK vermittelt und
organisiert den Ablauf. Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise
haben die Beratungsfälle erheblich zugenommen. Im Vergleich zum
Jahr 2007 haben sich die vermittelten Beratertagewerke von 143 im
Jahr 2007 auf 281 im Jahr 2009 fast verdoppelt. Erfreulich ist,
dass 53 der 57 Unternehmen, die im vergangenen Jahr mit dem „Runden
Tisch“ betreut wurden, ihren Betrieb fortführen konnten; das
betrifft über 220 Arbeitsplätze in unserem IHK-Bezirk!
Um Durststrecken zu überstehen, braucht es aber
manchmal auch einfach Durchhaltevermögen. Das zeigen Sie, die
hessischen Unternehmen, die auf den Auslandsmärkten die Stellung
halten. Ein Ergebnis der jährlich stattfindenden IHK-Umfrage „Going
International“ bei der im Jahr 2009 über 250 Unternehmen aus Hessen
befragt wurden, lautet: Die breite internationale Aufstellung hat
gerade in der Krisenzeit zu mehr Stabilität geführt. Die große
Mehrheit bestätigt uns darin, dass die positiven Auswirkungen des
Auslandsengagements eine der wichtigsten Kerngrößen der Betriebe
sind.
Veränderungen und Umbrüche sind ein Neubeginn und
bieten auch Chancen. Es kommt darauf an, dass wir sie erkennen und
nutzen. Lassen Sie uns die Zukunft mit Kraft und Zuversicht
gestalten. Das ist genau das, was wir jetzt brauchen. Die IHK
Gießen-Friedberg engagiert sich stark darin, Unternehmer gezielt in
ihrem internationalen Engagement zu fördern und zu unterstützen.
Als Federführer des IHK Verbundes Mittelhessen wollen wir einen
breiten Nährboden für die Erschließung und Etablierung von
Auslandsmärkten bieten. Jedes dritte Unternehmen aus Hessen
generiert 20 Prozent seines Gesamtumsatzes im Auslandsgeschäft.
Hier setzen wir an: im Juni laden wir Experten aus Skandinavien
ein, um brachenspezifisch zu beraten und zu informieren. Im
September haben wir das Thema Gesundheitswirtschaft in Russland auf
unsere Agenda gesetzt. Im Oktober widmen wir uns zusammen mit der
Handwerkskammer dem internationalen Potential der Branchen
Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Diese Branchen gehören
zu denen mit einem hohen Innovationspotential und leisten darüber
hinaus einen Beitrag zum Klimaschutz. Fachleute werden Sie über die
rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aufklären. Zudem
bieten wir hessenweit unter dem Titel „Hessen meets“ eine Fülle von
Veranstaltungen zu Finanzierungsfragen, interkulturellen Seminaren
und rechtlichen Rahmenbedingungen, um Ihre Kompetenzen zu stärken
und Sie noch wettbewerbsfähiger zu machen.
Innovationen und neue Technologien sind wichtige
Faktoren für den Erfolg und geben Wachstumsschübe. Der
Technologieausschuss der IHK Gießen-Friedberg hat in diesem Jahr
daher das Thema Elektromobilität als Schwerpunkt gewählt.
Elektromobilität ist ein Feld, in dem Deutschland die
Weltführerschaft übernehmen könnte. Dies prognostiziert unter
anderem Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der
Technikwissenschaften. In Deutschland selbst sind elektrogetriebene
Fahrzeuge ein Markt mit einem Wachstum von knapp 12 Prozent im Jahr
2009. Für 2010 sagt der Verband der Automobilhersteller ein weitaus
höheres Wachstum vorher.
Die Achillesferse bei der Elektromobilität ist die
Batterie. Sie macht heute rund 40 Prozent der Herstellungskosten
eines Elektroautos aus, hat dabei eine zu kurze Lebenszeit und eine
zu geringe Speicherkapazität. Um dem Elektroauto eine Reichweite
eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor zu geben, müssten die
Batterien doppelt so viel Energie speichern können wie heute
möglich. Wer also bei den Akkus die Nase vorn hat, wird im
Elektromobilbau auf dem Siegertreppchen stehen. Die Voraussetzungen
für deutsche Unternehmen sind dabei noch nicht gut: Während Japan
und China bereits Milliarden in die Akkuforschung gesteckt haben,
laufen in Deutschland entsprechende Programme erst an. Nun soll die
Aufholjagd beginnen. Das Spitzengespräch im Bundeskanzleramt am 3.
Mai mündete in die "Nationale Plattform Elektromobilität". Ihr
ehrgeiziges Ziel: im Jahr 2020 sollen eine Million Elektrofahrzeuge
auf deutschen Straßen unterwegs sein. Die Europäische Kommission
stellt sich vor, dass im Jahr 2030 rund 20 Prozent aller verkauften
Neuwagen mit Elektromotoren betrieben werden. Dabei betont die
Kommission, dass der nachhaltige Klimaschutz nur dann erreicht
werde, wenn der benötigte Strom aus regenerativen Quellen
stamme.
Deutsche Unternehmen und Hochschulen haben das Zeug
dazu, die internationale Konkurrenz zu überholen. Voraussetzung
dafür ist allerdings eine gut koordinierte Forschung und
Entwicklung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der
Deutschen Akademie der Technikwissenschaften in Kooperation mit den
relevanten Forschungseinrichtungen und Industriezweigen. Die
öffentlichen Investitionen dürfen sich dabei nicht nur auf
Forschung und Entwicklung beschränken. Angesichts der angespannten
konjunkturellen Situation fehlt den kleinen und mittleren
Unternehmen das notwendige Kapital zur Erweiterung und
Neuausrichtung ihrer Geschäfte. Investitionshemmende Faktoren
werden dann zu innovationshemmenden Faktoren.
Mittelhessen hat das Potential, auch bei der
Elektromobilität in den vorderen Reihen dabei zu sein. Viele
Unternehmen sind im Automotivebereich tätig, sei es in der Metall-
und Kunststoffverarbeitung, in der Elektronik oder der
Mikrosystemtechnik bis hin zum Automobilhandel. Eine Arbeitsgruppe
der Justus-Liebig-Universität Gießen forscht an der Optimierung der
Lithiumionen-Technologie und an neuen Energiespeichern. Diese
Arbeitsgruppe unter Leitung von Professor Dr. Jürgen Janek wird den
Technologieausschuss der IHK in diesem Jahr begleiten und steht für
gemeinsame Forschung und Entwicklung offen. Wir, die IHK
Gießen-Friedberg, wollen Unternehmer und Hochschulvertreter für
einen Arbeitskreis „Elektromobilität“ gewinnen.
Unterschiedliche Standortansprüche verursachen aber
auch Konkurrenz und hemmen das Wachstum einzelner Arten. Ich habe
ja eingangs erwähnt, dass in der Vorbereitung auf die
Landesgartenschau in Bad Nauheim viele Millionen Euro in
Baumaßnahmen investiert wurden. Ohne die Landesgartenschau wären
die Baumaßnahmen sicher nicht so schnell zu realisieren gewesen.
Aber Baumaßnahmen verursachen auch Reibungsverluste bei allen
Beteiligten und Betroffenen. Für die Unternehmen bedeutet das
während der Bauphase häufig, dass weniger Kunden kommen und
Umsatzverluste bis hin zur Existenzbedrohung zu verkraften sind.
Damit künftig Planer, Verantwortliche der Kommunen und Unternehmen
Anhaltspunkte für ein gutes Miteinander, insbesondere bei
verkehrlichen Baumaßnahmen haben, stellt die IHK dazu gerade einen
Leitfaden für Praktiker zusammen. An Beispielen konkreter
Baumaßnahmen aus unserer Region wird erläutert, wie durch intensive
Gespräche und gute Zusammenarbeit der Beteiligten das
Konfliktpotential reduziert werden kann, so dass am Ende alle
profitieren. Der Leitfaden zum Baustellenmanagement soll noch im
September in einer größeren Pressekonferenz veröffentlicht
werden.
Es gibt aber auch Arten mit gleichen
Standortansprüchen und Interessen, die sich gegenseitig im Wachstum
begünstigen. „Idee trifft Strategie“: unter diesem Motto vernetzt
das Clustermanagement „Technologie & Innovation Medizinregion
Mittelhessen“ – kurz „timm“ – Unternehmen und Wissenschaftler der
Medizinwirtschaft in Mittelhessen. Unter Federführung des
Regionalmanagement-Vereins „MitteHessen e.V.“ haben Kommunen,
Landkreise und Unternehmen der Region mit „timm“ eine Einrichtung
ins Leben gerufen, die Forschungseinrichtungen und Kliniken mit
zahlreichen mittelhessischen Unternehmen aus der Medizinwirtschaft
zusammenführt. Neben Konzernen wie Novartis Behring, CSL Behring,
Siemens Healthcare Diagnostics Products und Fresenius Kabi AG sind
es vor allem kleine und mittelständische Firmen, die innovative
Produkte in der Medizintechnik, Biotechnologie und in der Pharmazie
entwickeln und vertreiben. So fruchtbar die Zusammenarbeit bislang
auch verlaufen ist – gerade im Gesundheitswesen sind durchaus noch
weiter gefasste Kooperationen denkbar und wünschenswert. Das sieht
unser heutiger Festredner, Professor Grimminger, sicher genauso.
Zukunftsstrategien und Vernetzung – auf diesen beiden wichtigen
Feldern bereitet das Team von MitteHessen e.V. also intensiv den
Boden und erleichtert der heimischen Wirtschaft damit ein
gedeihliches Wachstum.
Passend zum Ort unseres Empfangs sind die neuesten
Aktivitäten der Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH, die viele von
Ihnen als wfg kennen. „Natürlich Wetterau – hier wächst alles“, mit
diesem Slogan soll die Brücke zwischen der „goldenen Wetterau“ –
die schon seit Jahrtausenden als fruchtbar, erholsam und
ursprünglich gilt – und den Standortvorteilen für unternehmerisches
Wachstum geschlagen werden. Mit einer neuen Vermarktungsstrategie
werden der Bekanntheitsgrad der gesamten Region Wetterau gesteigert
und die gewerblichen Standort- und Wachstumsvorteile nachhaltig in
den Köpfen verankert. Konzertierte und langfristige
Marketingaktivitäten beeinflussen die Standortentscheidungen von
Unternehmen und Investoren positiv. Die wfg präsentiert Besuchern
während der gesamten Landesgartenschau rund 90 Unternehmen aus dem
Wetteraukreis – dort hinten in dem blauen Pavillon des
Wetteraukreises, den Sie vielleicht auf dem Weg hierher gesehen
haben.
Meine Damen, meine Herren, Sie sehen, es braucht
eine ganze Menge günstiger Einflüsse und gemeinsamer Anstrengungen,
damit sich die Wirtschaft in ihrer ganzen Pracht entfalten und
wachsen kann. Welche Faktoren in der Gesundheitspolitik in den
nächsten Jahren nötig sein werden, dazu berichten Sie uns sicher
gleich mehr, sehr geehrter Herr Professor Grimminger. Erlauben Sie
mit jedoch vorab noch, dass ich Sie unseren Gästen kurz
vorstelle:
Sie sind 1958 in Frankfurt geboren. Bereits während
Ihres in Gießen begonnenen Studiums der Humanmedizin, Biologie und
Chemie haben Sie Auslandssemester an den britischen Universitäten
Newcastle und Edinburgh absolviert. Ihren Promotionen in den
Fachbereichen Humanmedizin im Jahr 1989 und Biologie im Jahr 1990
folgte nach nur zwei Jahren die Habilitation im Fachbereich
Humanmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Seit 2003
sind Sie Direktor der medizinischen Kliniken 4 und 5 des –
inzwischen privatisierten – Universitätsklinikums Gießen und
Marburg GmbH. Sie haben eine Ehrenprofessur der Universität von
Kent in Canterbury in Großbritannien inne und sind Honorarprofessor
an der Universität von Texas. Seit 2009 sind Sie Initiator und im
Vorstand des University of Giessen and Marburg Lung Center. Darüber
hinaus wurden Sie in den Senat- und Bewilligungsausschuss der
Deutschen Forschungsgemeinschaft gewählt und sind Koordinator des
institutionsübergreifenden Lungenzentrums Mittelhessen – dazu
gehören das Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, die
Kerckhoff-Klinik und die Lungenfachklinik Waldhof-Elgershausen.
Während Ihrer Lehrtätigkeit in Texas lernten Sie
das US-amerikanische Gesundheitssystem kennen. Als einen Vorzug
dieses Systems haben Sie die ausgeprägte Vernetzung von
Krankenhäusern untereinander und von Krankenhäusern mit Arztpraxen
schätzen gelernt. In dieser horizontalen und vertikalen Vernetzung
sehen Sie eine wichtige Antwort auf die Anforderungen, die der
aktuelle drastische Umbau des deutschen Gesundheitssystems an alle
daran Beteiligten stellt. In Ihren Funktionen als Direktor der
medizinischen Kliniken 4 und 5 des Universitätsklinikums Gießen und
Marburg GmbH, Direktor der Abteilung Pneumologie und Onkologie an
der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim und Ärztlicher Direktor des
Gesundheitszentrums Wetterau leben Sie diese Vernetzung vor.
Durch die Eliteinitiative des Bundes und der Länder
und die Gründung des Exzellenzclusters Cardiopulmonales System
Gießen und Bad Nauheim ist unter Ihrer Leitung eine der größten
wissenschaftlichen Forschergruppen mit über 120 internationalen
Forschern zum Thema Lunge entstanden. Forschung findet dabei auch
außerhalb von Hightech-Labors statt. So leiteten Sie mehrere
wissenschaftliche Expeditionen, etwa auch zum Himalaya in Nepal,
Tibet und Pakistan, und haben dabei unter anderem selbst den Mount
Everest bestiegen.
Sehr geehrter Herr Professor Grimminger, wir sind
schon sehr gespannt auf Ihre Ausführungen.
IHK-Pressemeldung Nr. 87, 27.886 Zeichen, 404 Zeilen
Verantwortlich für den Inhalt: Ulrike Schweikart, Tel. 0641 /
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Pressestelle: Kurt Schmitt, Tel.
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