IHK Gießen-Friedberg

Einbruch beim Einzelhandel in Gießen

Ergebnisse der IHK-Umfrage nach Branchen

(Gießen-Friedberg, 22.2.2011) – Auch diesmal geht die Konjunktur-Umfrage wieder detaillierter auf die wirtschaftliche Lage einiger Branchen im IHK-Bezirk ein.

Maschinenbau marschiert

Allein im November vergangenen Jahres lag der Auftragseingang im Maschinenbau um real 43 Prozent über dem Ergebnis des Vorjahres. Dabei stieg das Inlandsgeschäft um 23 Prozent und bei der Auslandsnachfrage gab es ein Plus von 53 Prozent. Vergleicht man dabei die letzten drei Monate ergibt sich ein insgesamtes Plus von 34 Prozent. Hier gehen 27 Prozent auf des Inlandskonto und 38 Prozent sind die Auslandsaufträge gestiegen. Von einigen Großaufträgen gestützt ist die Bedeutung des Exportes für die Branche klar ersichtlich. Im Inland setzt sich die etwas ruhigere Gangart fort.

Der Klimaindex des Maschinenbaus liegt bei 142,7 gegenüber 80,9 im Vorjahr und 110,4 in der Herbstumfrage.

Elektrotechnik läuft sehr gut

Die Elektroexporte haben Ende 2010 eine Rekordmarke erreicht. Mit einem Ausfuhrvolumen von 14 Mrd. Euro exportierte die deutsche Elektroindustrie im November 2010 genau 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Noch nie zuvor wurden in einem November höhere Exporterlöse erzielt. Von Januar bis November des vergangenen Jahres beliefen sich die Branchenexporte auf insgesamt 131 Mrd. Euro. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um 24 Prozent. Damit dürfte der 2008-er Vor-Krisen-Exportwert von 144 Mrd. Euro bereits 2010 wieder übertroffen worden sein.

Die derzeitige große konjunkturelle Kluft innerhalb der Eurozone spiegelt sich auch im Export der deutschen Elektroindustrie wider. Während die Elektroausfuhren in den gesamten Euroraum zwischen Januar und November 2010 um 24 Prozent gestiegen sind, konnte in den PIGS-Ländern (Portugal, Irland, Griechenland, Spanien) lediglich zwölf Prozent mehr abgesetzt werden als im Jahr davor. Die Exporte nach Irland stiegen nur um sieben Prozent, die nach Portugal um gerade einmal ein Prozent.

67 Prozent der Ausfuhren der Elektroindustrie gehen nach Gesamteuropa, 57 Prozent in die EU, 36 Prozent in die Eurozone und sechs Prozent in die PIGS-Länder. Nach China haben die deutschen Elektroexporte im November 2010 um 47 Prozent gegenüber Vorjahr zugelegt und ein Volumen von knapp einer Mrd. Euro erreicht. Zwischen Januar und November sind sie um 45 Prozent auf neun Mrd. Euro gestiegen. Die Branchenausfuhren ins Reich der Mitte machen mittlerweile fast sieben Prozent der gesamten Elektroexporte aus. Damit ist China das drittwichtigste Abnehmerland – nach Frankreich und den USA. Den Sprung auf Platz eins dürfte das Land schon 2011 schaffen, ist man in der Branche sicher.

Der Klimaindex der Elektrotechnik liegt bei 141,8 gegenüber 84,6 im Vorjahr und 132,3 in der Herbstumfrage.

Skepsis im Bau

Das deutsche Bauhauptgewerbe hat den Anschluss an den gesamtwirtschaftlichen Aufschwung noch nicht geschafft. Während die Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes 2010 ein Umsatzplus von zwölf Prozent verbuchen konnten, sind die Umsätze im Bauhauptgewerbe um ein Prozent gesunken. Für das Jahr 2011 werden bestenfalls stabile Umsätze auf Vorjahresniveau erwartet. Möglicherweise sogar noch einmal einen Umsatzrückgang von bis zu einem Prozent.

Vor allem der Wirtschaftsbau hat 2010 die Baubilanz belastet. Die Konjunktur im Verarbeitenden Gewerbe ist zwar angesprungen; es braucht jedoch noch einige Monate, bis wieder bauintensive Erweiterungsinvestitionen in Auftrag gegeben werden. Dennoch ist das Umsatzminus dank des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs mit 4,5 Prozent nicht ganz so hoch ausgefallen wie zunächst befürchtet.

Dagegen hat der Erholungsprozess im Wohnungsbau deutliche Fortschritte gemacht. Die Stabilisierung der Einkommenserwartungen im Zuge des Konjunkturaufschwungs, ein wieder erwachtes Interesse der Anleger an Wohnimmobilien, anhaltend niedrige Zinsen und das hohe Niveau der Förderung der energetischen Sanierung des Wohnungsbestandes hat zu einem Umsatzplus von nominal sechs Prozent beigetragen. Allerdings geht der Erholungsprozess von einem äußerst niedrigen Niveau aus. Die „Renaissance des Wohnungsbaus“ wird sich 2011 fortsetzen, so die Prognosen aus der Branche. Ein Umsatzplus von drei Prozent erscheint erreichbar.

Als enttäuschend gilt die Entwicklung des Öffentlichen Baus. Immerhin hat der Bund im Rahmen seiner zwei Konjunkturprogramme für die Jahre 2009 und 2010 Investitionsmittel im Umfang von knapp 15 Mrd. Euro bereitgestellt. Trotzdem sind die Umsätze im Öffentlichen Bau 2010 nicht gestiegen, sondern um drei Prozent zurückgegangen. Vor allem der verzögerte Abfluss der Fördermittel und die starke Konzentration der Fördermittel auf die energetische Sanierung im Gebäudebestand sind Gründe dafür. Für 2011 wird mit einem weiteren Rückgang der Umsätze im Öffentlichen Bau von 4,5 Prozent. Ein tiefer Einbruch ist im kommunalen Bereich zu befürchten. Darauf deuteten die Ergebnisse des KfW-Kommunal-Panels hin, nach dem die kommunalen Investitionen, einschließlich kommunaler Unternehmen, 2011 um 13 Prozent auf nur noch 31 Mrd. Euro zurückgehen würden.

Der Klimaindex im Baugewerbe liegt bei 70,7 gegenüber 122,5 im Vorjahr und 132,3 in der Herbstumfrage.

Einzelhandel zweigeteilt

Der Stimmungseinbruch beim Giessener Einzelhandel drückt den Klimaindex deutlich und verhindert ein besseres Abschneiden der Branche. Während sich auch der Einzelhandel im Vogelsberg, wenn auch nicht so stark, nach unten bewegt, können die Wetterauer Händler auf einen guten Klimawert und ein verbessertes Abschneiden gegenüber den Vergleichsumfragen verweisen.

Der Einzelhandel erwartet insgesamt für 2011 ein Umsatzwachstum von 1,5 Prozent. Preisbereinigt entspricht dies einer Entwicklung auf Vorjahresniveau. Einen regelrechten Boom wird der Wirtschaftszweig wohl nicht erleben. Zwar gibt es positive Faktoren wie die anhaltend gute Verbraucherstimmung und die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Der marginalen Steuererleichterung durch die Erhöhung der Werbekostenpauschale stehen allerdings deutlich höhere Energiekosten und Krankenkassenbeiträge gegenüber stehen. Am Ende des Jahres wird der Einzelhandel die Verluste des Krisenjahrs 2009 dennoch aufgeholt haben. 2009 sanken die Umsätze um 2,4 Prozent. Der Online-Handel ist mit acht Prozent überproportional gewachsen. Das Weihnachtsgeschäft hat dem Einzelhandel das nominale Plus von 1,5 Prozent über dem Vorjahr gebracht. Nach einem überdurchschnittlichen November mit einem Plus von 3,4 Prozent, ist der Dezember deutlich ruhiger, mit einem Minus von 0,1 Prozent, verlaufen. Schnee und Eis haben vielerorts für Frequenzverluste gesorgt. Die Adventswochenenden haben die Verbraucher dann wieder mobilisiert.

Der Klimaindex des Einzelhandels liegt bei 95,7, gegenüber 68,0 im Vorjahr und 95,0 in der Herbstumfrage.

Auch Medizintechnik hält inne

Nach drei Jahren erfolgreicher Arbeit in seiner Gründungsphase macht das Clustermanagement für die Medizinwirtschaft in Mittelhessen den nächsten Schritt: die Verstetigungsphase bis 2013 wird genutzt, um die Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft, die Unterstützung konkreter Projekt- und Produktideen und die Vermarktung der Medizinregion weiter auszubauen. Eine gemeinsame Förderung ermöglicht dies, an der neben dem Land Hessen die Landkreise Gießen und Marburg-Biedenkopf, der Regionalmanagementverein MitteHessen, die Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH und die Universitätsstädte Gießen und Marburg beteiligt sind. Trägerin ist die TransMIT GmbH, die sich ebenfalls in der Förderung des Netzwerks engagiert. Ziel des Clustermanagements timm – Technologie & Innovation Medizinregion Mittelhessen – ist es, die Unternehmen der Medizinbranche zu unterstützen, um neue Produkte und Arbeitsplätze zu schaffen: dies erfolgt durch Weiterbildungsangebote in der Reihe timm-MEDTECH und timm-PHARMA, Netzwerk-Veranstaltungen wie das timm-FORUM und Projektentwicklungsrunden wie timm-EXPERT und durch konkrete Unterstützung im Projektmanagement, in Zulassungsfragen und bei der Akquise von Fördermitteln. Seit 2007 werten wir die Branche „Medizintechnik“ aus. Wir haben dazu sämtliche Firmen aus unserem Bezirk, die in dieses Raster fallen, mit in die Konjunkturbefragung aufgenommen bzw. in dieser Gruppe zusätzlich zusammengefasst.

Der Klimaindex der Medizintechnik liegt bei 124,8 gegenüber 121,1 im Vorjahr und 135,2 in der Herbstumfrage.

IHK-Pressemeldung 144, 10.304 Zeichen, 155 Zeilen
Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt, Tel.: 06031/609-1100

RSS Feed RSS Drucken Drucken
Dokumentennr.: 14721 Hilfe

IHK Magazin

Hier kommen Sie zur aktuellen Ausgabe und zum Archiv des IHK-Magazins

weiterlesen …

IHK Newsletter

Der IHK-Newsletter liefert Ihnen aktuelle Informationen aus unseren Geschäftsbereichen und über unsere Region.

Anmelden …

IHK Jahresthema 2012


weiterlesen …