Erhebliche Unterschiede
Gießen deutlich verschlechtert, Vogelsberg hinkt hinterher – Wetterau im positiven Hessentrend
(Gießen-Friedberg, 22.2.2011) – Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg wurde auch diesmal nach den Ergebnissen in den drei Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau ausgewertet. Bei dieser Umfrage wurde darüber hinaus wieder nach Veränderungen bei den Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr gefragt. Weiter äußerten die Unternehmen ihre Einschätzungen zu den Folgen der demographischen Entwicklung und zu Risiken des weiteren Konjunkturverlaufs .
Diesmal wurden bei den Kreisvergleichen erhebliche Unterschiede ermittelt. In aller Regel laufen die Entwicklungen parallel zum hessischen Trend. Fast schon traditionsgemäß äußern sich die Unternehmen im IHK-Bezirk dabei etwas zurückhaltender; sowohl in positiver als auch in negativer Hinsicht.
Insgesamt kommt der IHK-Bezirk auf einen Klimaindex von 112,3, gegenüber 91,8 im Vorjahr und 113,3 in der Herbstumfrage. Die Ergebnisse des Bundeslandes Hessen zeigen dagegen, auch gegenüber der Herbstumfrage, eine weitere Verbesserung: Aktuell kommt Hessen auf einen Klimaindex von 128,1, gegenüber 101,0 im Vorjahr und 122,4 in der Herbstumfrage. Die Ergebnisse aus dem Wetteraukreis folgen dem hessischen Trend: Aktuell kommen die Betriebe zwischen Bad Vilbel und Butzbach auf einen Klimaindex von 118,5, gegenüber 92,1 im Vorjahr und 108,8 in der Herbstumfrage. Dabei wird deutlich, dass die Wetterau auf eine Verbesserung gegenüber dem Herbst um fast zehn Punkte kommt, während Hessen sich „nur“ um knapp sechs Punkte verbessert.
Klar verschlechtert hat sich dagegen der Herbst-Spitzenreiter, der Landkreis Gießen. Lag man im Vorjahr bei einem Klimaindex von 97,7 und in der Herbstbefragung bei 122,3 – also genau so gut wie Hessen gesamt – so ist man nunmehr um rund neun Punkte auf 113,2 abgefallen. Während sich also der Wetteraukreis gegenüber dem Vorjahr um satte 26 Punkte verbessert hat, hat der Landkreis Gießen um lediglich 15 Punkte zugelegt.
Der Vogelsbergkreis bleibt am Ende der IHK-Skala. Bei der aktuellen Umfrage wird ein Klimaindex von 93,8, gegenüber 78,8 im Vorjahr und 96,8 in der Herbstumfrage, erzielt. Mithin wurde zu allen drei Befragungsterminen die Zufriedenheitsschwelle, die bei einem Klimawert von 100 liegt, nicht überschritten.
Arbeitslosenquoten gehen zurück
Interessant in diesem Zusammenhang sind die neuesten Arbeitslosenquoten vom Dezember 2010. Danach liegt der Wetteraukreis mit 4,9 Prozent am besten und weist im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um immerhin 0,3 Prozentpunkte auf. Im Landkreis Gießen liegt die Arbeitslosenquote im Dezember 2010 bei 7,0 Prozent und liegt damit 0,5 Prozentpunkte besser als im Vorjahr. Der Vogelsbergkreis schließlich liegt bei einer Arbeitslosenquote 5,3 Prozent und hat mit einem Rückgang um 0,8 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr den stärksten Rückgang aufzuweisen. Insgesamt liegt die Arbeitslosenquote in Mittelhessen bei 6,0 Prozent gegenüber 6,6 Prozent im Dezember 2009.
Exporte: Hoher Rückgang im Wetteraukreis
Bei den Exportquoten 2009 ergibt sich ebenfalls ein differenziertes Bild. Hier liegt der Landkreis Gießen mit 37,8 Prozent vorn. Der Wetteraukreis liegt mit 25,8 Prozent erheblich dahinter, während der Vogelsbergkreis mit lediglich 23,4 Prozent die geringste Exportquote aufweist. In der Hochzeit der Krise waren diese Strukturen von Nachteil für den Landkreis Gießen, was auch die Ergebnisse der damaligen Umfragen bestätigt. Immerhin gab es im Zuge der Krise einen erheblichen Exporteinbruch. So ging die Exportquote im Landkreis Gießen im Jahre 2009 im Vergleich zu 2007 um 2,8 Prozentpunkte zurück, im Wetteraukreis sank die Quote im gleichen Zeitraum gar um 7,1 Prozentpunkte und im Vogelsbergkreis ging dieser Wert in den letzten zwei Jahren um 1,3 Prozentpunkte zurück. Exportquoten für das Jahr 2010 liegen noch nicht vor.
Industrie: Differenzierte Resultate
Insgesamt kommt die Industrie im IHK-Bezirk auf einen Klimaindex von 119,3 gegenüber 95,0 im Vorjahr und 111,3 in der Herbstumfrage.
Ein differenziertes Bild auch bei den Industrieergebnissen aus der Wetterau. Hier wird ein aktueller Klimaindex von 124,6 erzielt, gegenüber 107,8 im Vorjahr und 117,7 in der Herbstumfrage. Die besten Ergebnisse im Wetteraukreis kommen aus der Elektrotechnik und der Chemie- bzw. Pharmabranche. Vergleichsweise enttäuschend schneiden hier der Maschinenbau und die Metallerzeugnisse ab.
Enttäuschend schneiden die Industriebetriebe aus dem Landkreis Gießen ab. Aktuell wird ein Klimaindex von 114,8 ermittelt. Im Vorjahr lag der Index bei 91,5, aber bereits im Herbst bei 115,9. Damit muss die Giessener Industrie einen Rückgang des Klimawertes gegenüber der Herbstumfrage hinnehmen. Nur der Maschinenbau bewegt sich im Trend der hessischen und der gesamten IHK-Ergebnisse: Im Giessener Maschinenbau wird ein Klimawert von 138,9 gemessen, gegenüber 83,7 im Vorjahr und 106,1 in der Herbstumfrage. Bei allen anderen bedeutenden Giessener Branchen wie Elektrotechnik, der Metallbranche wurde ein teilweise erheblicher Rückgang des Klimas gemessen.
Die Werte im Vogelsbergkreis haben sich die Werte deutlich verbessert: Während aktuell ein Klimaindex von 122,0 ermittelt wird, lag der Vorjahreswert noch bei 84,7 und der Vergleichswert aus dem Herbst lag bei 91,3. Vor allem aus dem Maschinenbau kommt mit 166,7, gegenüber 89,4 im Vorjahr, ein außerordentlicher Wert.
Einzelhandel: Enttäuschung in Gießen
Insgesamt kommt der Einzelhandel im IHK-Bezirk auf einen Klimaindex von 95,7 gegenüber 95,0 im Vorjahr und 68,0 in der Herbstumfrage.
Einen erheblichen Rückgang des wirtschaftlichen Klimas meldet der Giessener Einzelhandel: Dort wird aktuell ein Klimaindex von 88,0 gegenüber 69,5 im Vorjahr und 112,1 in der Herbstumfrage, gemessen. Im Herbst kamen die Giessener Einzelhändler auf einen außerordentlich guten Wert, der sogar höher lag, als das damalige hessische Einzelhandelsergebnis von 110,6. Anders die Entwicklung im Wetteraukreis: Dort wird ein Klimaindex von 102,4 erzielt, gegenüber 67,6 im Vorjahr und 76,6 in der Herbstumfrage. Die Vogelsberger Einzelhändler kommen auf einen Klimaindex von genau 91,3 und kommen im Vergleich zum Vorjahr auf eine Steigerung von fast 30 Punkten, aber einen Rückgang um rund sieben Punkten gegenüber der Herbsumfrage.
Gründe für das schwache Ergebnis der Giessener Einzelhändler liegen in den Diskussionen um das Bänninger-Gelände, den angekündigten Erhöhungen der Parkgebühren und der Realität der Baustellen.
Bänninger, Parkgebühren und Baustellen
In den letzten Monaten ist viel über mögliche Neuansiedlungen von großflächigem Einzelhandel in der Peripherie Gießens diskutiert worden. Das führte zu Verunsicherungen beim innerstädtischen Einzelhandel. Nun ist die Politik gefordert, gemeinsam mit den Unternehmen eine Langzeitperspektive zu vereinbaren, um einen verbindlichen Rahmen für die Einzelhandelsentwicklung und damit auch die Stadtentwicklung Gießens vorzugeben.
Ende des vergangenen Jahres wurden für die Stadt Gießen höhere Parkgebühren beschlossen. Bislang ist die Erhöhung noch nicht umgesetzt. Es ist zu befürchten, dass mit dieser Maßnahme die Bereitschaft zur Zahlung höherer Gebühren und damit die Verweildauer bei den Besuchern der Innenstadt schwinden werden. Bei hohem Kundenanteil aus dem Umland von Gießen kann das unweigerlich zu Umsatzverlusten für den innerstädtischen Einzelhandel führen.
Baustellen kosten den Gewerbetreibenden Nerven und Geld. Das erleben hautnah seit einiger Zeit die Geschäftsleute der Gießener Innenstadt. Um Umsatzverluste zu minimieren ist eine frühzeitige Absprache über geplante Baumaßnahmen zwischen den Maßnahmenträgern und den anliegenden Gewerbetreibenden zwingend erforderlich. Hier sieht die IHK Gießen-Friedberg noch Verbesserungspotential. Wir werden überdies nicht müde, den Akteuren unseren Baustellen-Leitfaden ans Herz zu legen: Mit einer überschaubaren Investition von 98 € können erhebliche Umsatzverluste vermieden und darüber hinaus sogar Umsatzsteigerungen während unvermeidlicher Einschränkungen durch Baustellen erzielt werden.
Konjunkturrisiken Inlandsnachfrage und Energiepreise
In einer Sonderaktion wollte die IHK Antworten auf weitere aktuelle Fragestellungen der derzeitigen konjunkturellen Lage erhalten. Zunächst wurden die Unternehmen nach ihren Einschätzungen zu den größten Risiken der derzeitigen Entwicklung gefragt. Die nahezu unkalkulierbaren Energie- und Rohstoffpreise werden mittlerweile von 53,2 Prozent aller Betriebe als größtes Risiko angesehen. Natürlich ist dieser Wert bei den Industriebetrieben mit 73,6 Prozent noch höher. Die Zeit der hohen Ölpreise und signifikant gestiegenen Strompreise hat offenbar tiefe Verunsicherung hinterlassen. Trotz Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke rechnet die Industrie mit weiter steigenden Stromkosten. Allein wegen der Umstellung auf alternative Energien. Der mittlerweile zum großen politischen Thema gewordene Zugang zu den internationalen Rohstoffquellen gehört ebenso in diese Risikokategorie.
Auf Rang zwei folgt die Inlandsnachfrage, die insgesamt 44,4 Prozent aller Betriebe als Risiko ansehen. Nicht verwunderlich, dass im Einzelhandel fast zwei Drittel der Betriebe der Inlandsnachfrage nicht so recht trauen.
Die Risiken, denen am wenigsten „Furchtpotential“ zugeordnet wird sind die Wechselkurse mit 9,8 Prozent und die Auslandsnachfrage mit 7,3 Prozent: Die Betriebe trauen dem Export eine erhebliche Stabilität zu.
Fehlende Fachkräfte als größtes Problem
Als problematischste Folge der demographischen Entwicklung definieren die Unternehmen mit 40,8 Prozent den Mangel an Fachkräften. Erst mit gehörigem Abstand wird mit 28,4 Prozent als zweites Argument die starke Alterung der Belegschaft genannt. Der Mangel an Fachkräften wird vornehmlich in der Industrie als größtes Problem genannt. Verbesserte Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr sehen 12,1 Prozent aller Unternehmen. Dies waren bei der Umfrage im Jahre 2009 6,7 Prozent der Betriebe. Für zwei Drittel aller Betriebe, gegenüber 60,2 im Jahre 2009, sind diese Konditionen gleich geblieben. Dagegen sehen 18,1 Prozent aller Unternehmen verschlechterte Finanzierungskonditionen, gegenüber 30,7 Prozent im Jahre 2009. Die gemeinhin als dramatisches Problem beschriebene Kreditklemme ist daher nicht mehr existent, war es eigentlich auch nie.
IHK-Pressemeldung 143, 8.607 Zeichen, 132 Zeilen,
Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt, Tel. 06031 / 609-1100




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