IHK Gießen-Friedberg

IHK-Konjunkturumfrage zeigt: Der Wirtschaft geht es meist gut

Elektrotechnik und Maschinenbau ganz vorn – Handel, Gastgewerbe und Verkehr hinten

(Gießen-Friedberg, den 28. April 2011) – Die Konjunktur brummt. Die regionale Wirtschaft hat wenig Grund zu klagen. Deutliche Verbesserungen finden in allen drei Kreisen des Bezirkes der IHK Gießen-Friedberg statt. Dies gilt sowohl im Vergleich zur vergangenen Umfrage zum Jahreswechsel, als auch im Vergleich zur Vorjahresumfrage. Mit der gegenwärtigen Lage sind die Unternehmen sehr zufrieden. Auch für die Einschätzung der künftigen Lage wird ein deutlicher positiver Saldo ermittelt. „Wir können eine kräftige Verbesserung der Stimmung vermelden. Es herrscht Zuversicht“, freut sich IHK Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder. In den Branchen werden die besten Ergebnisse aus dem Bereich der Investitionsgüterindustrie errechnet, wobei die Elektrotechnik und der Maschinenbau die unangefochtenen Spitzenplätze einnehmen. Knirschende Geräusche sind dagegen im Verkehrssektor, im Gastgewerbe und im Einzelhandel zu vernehmen. Regional liegt der Landkreis Gießen in der Stimmungstabelle vor dem Wetteraukreis und dem Vogelsbergkreis.

Risiko Energiepreise

Insgesamt hat die deutsche Wirtschaft einen rundum gelungenen Start ins Jahr 2011 hingelegt. Im ersten Quartal stieg das Bruttoinlandsprodukt bereits um ein Prozent. Damit kommt man der Prognose der IHKs, die von einem Jahreswachstum von drei Prozent ausgeht, schon einen guten Schritt näher. Diese durchweg positive Entwicklung findet in einer Zeit steigender Energie- und Rohstoffpreise statt. Auch die Finanzkrisen in einigen Euro-Staaten und die Unruhen in Nordafrika und der Katastrophe in Japan tun der guten wirtschaftlichen Entwicklung keinen Abbruch. Es wird wieder investiert, die Beschäftigungspläne sind positiv und es wird mit steigenden Exportvolumen gerechnet. Dennoch: Hohe Strompreise aufgrund des Umstiegs in der Energieversorgung, die latent hohen Ölpreise, ein nach wie vor starker Euro oder auch Versorgungsengpässe aufgrund japanischer Lieferschwierigkeiten, sind die aktuellen Konjunkturrisiken. So antworten auch 57,8 Prozent aller befragten Unternehmen, sogar 75,4 Prozent der Industriebetriebe, mit hohen Energie- und Rohstoffpreisen als dem größten Risiko – weit vor einer wackligen Inlandsnachfrage, hohen Arbeitskosten und dem anschwellenden Fachkräftemangel

Die repräsentative Frühjahrsumfrage der IHK Gießen-Friedberg unter rund 1.600 Mitgliedsbetrieben fand von Mitte März bis Mitte April diesen Jahres statt. Aus den Ergebnissen dieser Umfrage wird der IHK-Klimaindex ermittelt. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen. Bei der aktuellen Befragung wurde ein Klimaindex von 120,1 für die gesamte regionale Wirtschaft errechnet. Der Vergleichswert der Umfrage zu Jahresbeginn lag bei 112,3. Der im Frühjahr 2010 ermittelte Wert lag bei 102,5. Damit wird eine Steigerung um fast genau 20 Punkte gegenüber dem Vorjahr erreicht. „Eine erfreuliche Entwicklung“, kommentiert Matthias Leder.

Überall besser

Der Landkreis Gießen kommt auf einen Klimaindex von 127,4, gegenüber 108,0 im Vorjahr. Der Wetteraukreis liegt mit einem Wert von 120,0 fast genau im IHK-Durchschnitt. Vor einem Jahr lag der Wetterauer Wert bei 99,4. Im Vogelsberg schließlich kommt man nur auf einen Klimaindex 102,2 gegenüber 96,6 im Vorjahr. Damit rangiert der Vogelsberg, wie so häufig, am Ende des IHK-Bezirkes. Grund dafür dürfte die geringere Exportorientierung der dortigen Industriebetriebe sein. Dennoch kommt die dortige Industrie auf ein zufrieden stellendes Ergebnis von 112,8. Der Einzelhandel allerdings hinkt mit 89,4 deutlich hinterher. Im Wetteraukreis ist die Industrie mit einem Klimaindex von 141,4 weit vorn. Dagegen rangiert der Einzelhandel mit 73,0 abgeschlagen. Im Landkreis Gießen liegt die Industrie mit 128,8 fast genau im Durchschnitt des Kreises. Hier schneidet der Einzelhandel mit 107,8 deutlich besser ab, als im übrigen IHK-Bezirk. Der gesamte IHK-Bezirk schneidet traditionsgemäß schlechter ab, als das Bundesland Hessen. Dort wurde ein Klimaindex von 132,2, gegenüber 111,8 im Vorjahr gemessen.

Industrie marschiert vornweg

Der Klimaindex in der gesamten Industrie liegt bei 130,0, gegenüber 110,0 im Vorjahr. Maßgeblich wird dieses gute Ergebnis von der Investitionsgüterindustrie getragen, die auf einen Klimawert von 149,9, gegenüber 105,2 im Vorjahr, kommt. Dabei wiederum marschieren die Elektrotechnik mit einem glatten Klimawert von 150,0, gegenüber 87,5 im Vorjahr und der Maschinenbau mit 156,5, gegenüber 105,4 im Vorjahr vornweg. Beide Branchen sind stark exportorientiert und profitieren vom weltweiten Konjunkturboom, aber auch vom inländischen Nachfrageanstieg. Etwas hinterher hinken die Hersteller von Ge- und Verbrauchsgütern. In diesem konsumnahen Industriebereich wird ein Klimawert von 95,3, gegenüber 101,9 gemessen.

Bau profitiert vom Wetter

Die positive Entwicklung macht sich auch in der Baubranche breit. Dort befürchtete man erhebliche Rückgänge nach dem Ende der Konjunkturprogramme. Doch nun profitiert man vom abarbeiten witterungsbedingt liegen gebliebener Projekte vom Jahresende und von den Konjunkturprogrammen. Aber auch der Wohnungsbau macht wieder Fortschritte. So kommt die Bauwirtschaft auf einen Klimawert von 139,4, gegenüber 111,8 im Vorjahr. Gerade die Bauwirtschaft wird von der vollständigen Arbeitnehmerfreizügigkeit für die benachbarten EU-Staaten in Mittel- und Osteuropa ab Mai 2011 berührt. In welcher Richtung und in welchem Maße hier auf die Branche ein weiterer Wandel zukommt, bleibt abzuwarten.

Kein Vertrauen in Konsum

Der Einzelhandel traut dem Konsumklima nicht. Weder bei der Beurteilung der derzeitigen wirtschaftlichen Lage, noch bei der Einschätzung der künftigen Entwicklung überwiegen die positiven Stimmen. Im Gegenteil: Künftig erwarten rund elf Prozent der Händler einen günstigen Verlauf, aber gut 31 Prozent gehen von schlechteren Geschäften aus. Lediglich bei den Automobilhändlern herrscht ausgesprochen gute Stimmung. So kommt der Einzelhandel auf einen Klimaindex von 86,8, gegenüber 77,1 im Vorjahr. Gerade in dieser Branche kommt der Preisentwicklung eine herausragende Bedeutung zu. Die stark gestiegenen Rohöl- und Nahrungsmittelpreise werden die gerade erwachte Konsumfreude eindämmen.

Auch im Gastgewerbe herrscht mit einem Klimawert von 75,0, gegenüber 89,4 im Vorjahr keine gute Laune. Auch die Verkehrsbranche dümpelt mit einem Klimawert von 75,0 in einer unbefriedigenden Zone – was bei den hohen Spritpreisen allerdings niemand wundert.

Pressemeldung Nr. 69, 7.046 Zeichen, 111 Zeilen
Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt Tel. 06031 / 609-1100

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