IHK Gießen-Friedberg

141 / 11 - FotoStatements von Präsident Dr. Wolfgang Maaß und Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Leder anlässlich der Konjunkturpressekonferenz am 25. Oktober 2011

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich freue mich, Sie hier bei unserer Konjunkturpressekonferenz in Friedberg begrüßen zu dürfen. Vor fast genau drei Jahren haben wir uns ebenfalls hier getroffen. Die Pressekonferenz 2008 fand unmittelbar nach den ersten Ausschlägen der globalen Finanzkrise statt. Lehman Brothers, Hypo Real Estate und Island beherrschten danach die Schlagzeilen. Wenn die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreift, so sagten wir damals, gehen wir in eine Rezession. Heute sprechen wir von der Staatsschuldenkrise, manche von der Euro-Krise. Auch heute müssen wir aufpassen, dass die Verun­sicherungen und die Angst nicht auf die Realwirtschaft überschwappen. Denn die Wirtschaft steht gut da. Aus unserer Herbstumfrage ermitteln wir heute einen Klimaindex von 112,9. Der ist genau so gut, wie der von vor einem Jahr. Aber, und das ist das bedenkliche, er ist seit der Frühjahrsumfrage doch recht deutlich gefallen. Um genau sieben Punkte. Deshalb stehen wir heute vor der Frage: Holen wir nur Atem für den weiteren Aufstieg, oder stehen wir vor einem Abschwung? Dieser Abschwung wäre dann vor allem von den Folgen der Staatsschuldenkrise ausgelöst.

Die hessische Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr 2011 um 4,3 Prozent. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wuchs in der gleichen Zeit um 3,9 Prozent. Das Wachstum in Deutschland wird für das laufende Jahr auf insgesamt 2,9 Prozent prognostiziert. Nachdem im Jahre2010 eine Steigerung des Bruttoinlandsproduktes um 3,7 Prozent erreicht wurde, haben die Institute für das Jahr 2012 die Prognosen deutlich gesenkt. Die Gemeinschaftsdiagnose aus dem Herbst 2011 sagt noch eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes um 0,8 Prozent für das kommende Jahr voraus.

Die dramatischen Schwankungen sind ein Zeichen für extreme Unsicherheit. Maßgeblich für die ständigen Turbulenzen an den Finanzmärkten sind die Staatsschuldenkrisen in Europa und die hohe Verschuldung in den USA. Die reale Wirtschaft ist einem Trommelfeuer von schlechten Nachrichten ausgesetzt. Auch in China lässt das Wachstum nach. Gleichwohl bleiben die Schwellenländer in Asien, Südamerika und Osteuropa auch in dieser Krise die Hoffnungsträger. Neben der härteren Exportsituation sind allerdings auch die gestiegenen Stromkosten als Folge des Atomausstieges und der daraus notwendigen Stromimporte für die schwierigere wirtschaftliche Lage verantwortlich. Auch die nach wie vor hohen Rohstoffpreise und die Rezession in Japan als Folge der Natur- und Atomkatastrophe werden als Bremsfaktoren der konjunkturellen Entwicklung identifiziert.

Waren es bei der Finanzkrise 2008 die zahlungsunfähigen Privathaushalte in den USA, welche die Banken gefährdeten, sind es nunmehr die zahlungsunfähigen Staaten, die die Finanzinstitute und mitunter die gesamte europäische Wirtschaft ins Schwanken bringen. Für die private Nachfrage gilt: Noch ist die Kauflust in Deutschland ungetrübt. Doch die Verbraucher reagieren zunehmend verstört auf die Schuldenkrise. Auf der anderen Seite die Unternehmen: Vorgesehene Einstellungen werden ebenso zurückgestellt wie der Kauf neuer Maschinen. Damit hätte die Verunsicherung, die zunächst als abstraktes Gebilde an den Finanzmärkten entsteht, die reale Wirtschaft erreicht. Die Frage wird sein: Treibt die Staatsschuldenkrise die Wirtschaft in eine Rezession, steht nur ein leichter Abschwung bevor oder wird die Schuldenkrise ohne große Schrammen überwunden? In Europa droht sich die Staatsschuldenkrise zu einer Bankenkrise auszuweiten, denn viele Banken halten in großem Umfang Schuldtitel der von der Krise betroffenen Staaten.

Nun zu unserer Herbstumfrage. Bei der Einschätzung der aktuellen Lage sind 41 Prozent der Betriebe zufrieden. Im vergangenen Jahr war fast genau ein Drittel aller hiesigen Unternehmen zufrieden, aber bei der Umfrage im Frühjahr 2011 beurteilten 45 Prozent der regionalen Wirtschaft die aktuelle Lage mit gut. Schlecht sehen derzeit 14 Prozent der Betriebe die derzeitige Geschäftslage; im vergangenen Jahr waren es 13 Prozent und im Frühjahr 15 Prozent. Damit wird nach wie vor ein stabiler positiver Saldo ermittelt, der jetzt bei 27 Prozentpunkten liegt. Es mutet an, als holt der Wanderer Atem für den weiteren Aufstieg. Denn aus heutiger Sicht ist kein dramatischer Abschwung in Sicht.

Etwas anders – und deutlich negativer – zeigen sich die Veränderungen bei der Einschätzung zur künftigen Entwicklung. Hier sind 20 Prozent aller Betriebe optimistisch, gegenüber 24 Prozent im vergangenen Jahr und 28 Prozent im Frühjahr. Während die skeptischen Stimmen vergleichsweise nahe beieinander liegen, ergibt sich dennoch eine klare Verschlechterung beim Saldo von Optimismus und Pessimismus: Waren im Frühjahr noch zehn Prozent mehr Unternehmen zuversichtlich, liegt der Saldo aktuell bei Plus-Minus-Null.

Damit kann man als Fazit ziehen: Die gegenwärtige Lage ist gut, die nahe Zukunft wird zurückhaltend beurteilt.

Mit all diesen Werten wird heute ein Klimaindex von 112,9 ermittelt. Dieser Wert lag im vergangenen Jahr bei 113,3 – also mehr oder weniger gleichauf. Aber im Frühjahr 2011 wurde ein Klimaindex von 120,5 ermittelt und damit ein deutlich besserer als bei der aktuellen Herbstumfrage. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen.

Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg fand von Mitte August bis Mitte September 2011 statt. Befragt wurden gut 1.200 Mitgliedsbetriebe aus den Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau.

Wie Sie das gewohnt sind, nun wieder einige Sätze zu ausgewählten Branchen:

Die deutschen Maschinenbauer gehen im Jahre 2011 von einer Steigerung der Produktion um rund 14 Prozent aus. Dabei weist die Inlandsnachfrage mittlerweile eine Steigerung um 22 Prozent auf, das Nachfrageplus aus dem Ausland fiel mit einem Zuwachs von neun Prozent kleiner aus. Getragen wird diese positive Entwicklung maßgeblich von Frankreich, den USA und von China. Die Maschinenbau-Exporte ins Reich der Mitte steigen in diesem Jahr um geschätzte 40 Prozent. Doch auch in China läuft nicht alles rund: So treten die Kreditinstitute bereits auf die Bremse, um eine Überhitzung der chinesischen Wirtschaftsentwicklung und damit fühlbare Preissteigerungen zu bekämpfen. Das schwere Zugunglück Ende Juli hat Änderungen im Eisenbahnminis­terium bei den mittelfristigen Investitionsplanungen in Gang gesetzt. Das schier grenzenlose Vertrauen in die eigene Technologie der Superschnellzüge ist nachhaltig erschüttert und führt zu Auftragsstornierungen. Leidtragende sind dabei vor allem Schienentechnikhersteller aus Deutschland. Überdies klagt gerade die stark industrialisierte Ostküste Chinas immer wieder über Stromausfälle, die die wirtschaftliche Entwicklung spürbar behinderten.

Die Maschinenbauexporte nach Griechenland sanken im ersten Halbjahr um 34 Prozent, die Ausfuhren nach Portugal um 21 Prozent.

Die Produktionskapazitäten der Maschinenbauer sind zu 90 Prozent ausgelastet. Die Auftragsbestände reichen bis ins Frühjahr 2012. Auch für das kommende Jahr geht die Branche von einer positiven, wenn auch deutlich verlangsamten Entwicklung aus. Die Maschinenbauer rechnen mit einer weiteren Steigerung der Produktion um rund vier Prozent. Von Monat zu Monat allerdings werde sich das Wachstum verlangsamen, heißt es aus der Branche. Damit würde das seitherige Topniveau aus dem Jahre 2007, dem Jahr vor Beginn der Finanzkrise, um eine Milliarde Euro übertroffen. Der Maschinenbau hält es für ganz entscheidend, wie die Politik die Schuldenkrise weiter managt. Eine weitere Unentschlossenheit der Politik könne in einen Abschwung führen.

Auch im Bereich der Beschäftigung ist die Branche zufrieden und geht von einer gesamten Zunahme des Personalbestandes im Jahre 2011 von 20.000 Beschäftigten aus. Insgesamt arbeiten im deutschen Maschinenbau dann rund 924.000 Menschen.

Der Klimaindex des Maschinenbaus liegt bei 117,3 gegenüber 110,4 im Vorjahr und 156,5 bei der Frühjahrsumfrage.

Die deutsche Elektroindustrie zeigt sich bisher unbeeindruckt von der weltweiten Schuldenkrise. Stabil sind insbesondere die Exporte. Im Juli beispielsweise wurde der höchste, jemals in einem Juli erzielte Umsatz erreicht. In den ersten sieben Monaten des Jahres wurde der 2010er Wert um rund zehn Prozent übertroffen. Gerade die Ausfuhren nach China stiegen dabei um 24 Prozent an. Doch auch die Lieferungen in die Vereinigten Staaten stiegen in den ersten sieben Monaten um 19 Prozent überdurchschnittlich. Beide Länder haben im übrigen Frankreich als Hauptabnehmerland deutscher Elektroexporte abgelöst.

Der Klimaindex der Elektrotechnik liegt bei 131,5 gegenüber 132,3 im Vorjahr und 150,0 bei der Frühjahrsumfrage.

Es wird wieder mehr Bier getrunken in Deutschland. Um genau ein Prozent stieg der Bierabsatz der deutschen Brauereien im ersten Halbjahr 2011. Dabei waren 83 Prozent des Absatzes für den Inlandsmarkt bestimmt. Im Jahre 2010 war der Pro-Kopf-Verbrauch von Bier in Deutschland auf den historischen Tiefststand von 101,8 Litern gesunken – zum Vergleich: Im Jahr 1976 lag er bei genau 150,9 Liter. Dabei haben die hessischen Brauereien mit einem Zuwachs von 12,2 Prozent den stärksten Zuwachs. Gestiegen ist insbesondere der Absatz von Biermischgetränken.

Die leichte Steigerung fand in einem alles anderen als günstigen Umfeld statt: Kein Sommer im Jahre 2011, die Bevölkerung altert, immer weniger harte, körperliche Arbeit, andere Trinkgewohnheiten bei der wachsenden Gruppe der Migranten und bis auf die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft – und die war enttäuschend – gab es in diesem Jahr keinen herausragenden deutschlandweiten Konsumanlass. Wegen der vergleichsweise schlechten Getreideernte und steigenden Nahrungsmittelpreise ist für die nahe Zukunft mit Preissteigerungen beim Gerstensaft zu rechnen.

Der Klimaindex in der Getränkebranche liegt bei 47,1 gegenüber 61,2 im Vorjahr.

Die befürchtete Abkühlung ist in der deutschen Baubranche noch nicht angekommen. Der baugewerbliche Umsatz ist im Juli zwar nur noch um nominal 1,9 Prozent gestiegen; dafür nahmen aber die Auftragseingänge um nominal 9 Prozent zu. Für die ersten sieben Monate ergibt sich damit ein Umsatzplus von 12,6 Prozent.

Wachstumstreiber bleibt der Wohnungsbau: Dank anhaltend günstiger Rahmenbedingungen legten die Umsätze für die ersten sieben Monate um 16,7 Prozent zu. Noch höher fiel die Wachstumsrate der Auftragseingänge aus, die in den ersten sieben Monaten des Jahres um 24,8 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen. Positiv bleiben auch die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf. Die Genehmigungen für neue Wohngebäude stiegen in den Monaten Januar bis Juli 2011 im Vorjahresvergleich um 29 Prozent.

Ähnlich positiv sieht die Lage im Wirtschaftsbau aus. Zwar konnten die äußerst hohen Wachstumsraten des ersten Quartals nicht gehalten werden; im Juli stieg der baugewerbliche Umsatz in dieser Sparte aber immerhin noch um knapp fünf Prozent. Das hohe Genehmigungsplus von nahezu 20 Prozent für gewerbliche Bauten von Januar bis Juli lässt auch für den Rest des Jahres eine positive Entwicklung erwarten.

Schwierig ist die Lage im Öffentlichen Bau. Beim Umsatz macht sich das Auslaufen der Konjunkturprogramme bemerkbar. Wegen des starken ersten Quartals ergibt sich aber für die ersten sieben Monate noch ein Wachstum von 6,7 Prozent. Im Monat Juli dagegen wurde ein Rückgang des Umsatzes um knapp fünf Prozent ermittelt. Der Trendpfeil zeigt damit nach unten. Die Branche fordert die Kommunen auf, die deutlich gestiegenen Steuereinnahmen zu investieren.

Das Baugewerbe fordert Infrastrukturmaßnahmen. Besonders das Straßennetz stoße bereits heute an seine Kapazitätsgrenzen. Ein weiterer Anstieg des Verkehrsaufkommens könne ohne volkswirtschaftliche Verluste nicht mehr aufgefangen werden. Bis 2025 wird ein Zuwachs von rund 80 Prozent im Straßengüterverkehr und von 20 Prozent im Personenverkehr erwartet. Neben der staatlichen Finanzierung wird auch die mitunter fehlende Akzeptanz für Infrastrukturmaßnahmen in der Bevölkerung zum Hindernis.

Der Klimaindex in der Baubranche liegt mit 132,3 genau so hoch wie im Vorjahr, gegenüber 139,4 bei der Frühjahrsumfrage.

Zum Einzelhandel: Die immense Staatsverschuldung macht den Bundesbürgern einer Umfrage zufolge derzeit am meisten Angst. 62 Prozent erklärten im jüngsten "Sorgenbarometer" des Magazins "Stern", sie hätten davor große oder sehr große Furcht. Auf Platz zwei folgt die Angst vor Arbeitslosigkeit gefolgt von der Sorge um den Zustand der Umwelt. Diesen verunsicherten Konsumenten belasten darüber hinaus steigende Kosten für Energie und Gesundheit. Steigende Stromkosten auf Grund des Ausstieges aus der Atomenergie werden den Konsum noch eine ganze Weile begleiten. Deshalb gehen die Einzelhändler von einem nachlassenden Wachstumstempo für den Rest des Jahres aus – und hoffen mal wieder auf das Weihnachtsgeschäft. Das erste Halbjahr 2011 war dabei das stärkste für den Einzelhandel seit sechs Jahren.

Sorgen machen der Branche darüber hinaus auch Diskussionen in Berlin um künftige Steuerpläne. Das neue SPD-Steuerkonzept träfe nicht nur besser verdienende Angestellte, sondern auch die Mehrheit der deutschen Handelsunternehmen. Denn die meisten Betriebe dieser Branche sind Personenunternehmen. Von den höheren Steuern wären damit 80 Prozent des Einzelhandelsumsatzes betroffen. Auch ständige Diskus­sionen um die Vermögenssteuer schadeten: Schließlich senkt eine Entwertung des Vermögens die Konsumnachfrage und vor allem die Investitionen.

Der Klimaindex im Einzelhandel liegt bei 87,0 gegenüber 95,0 im Vorjahr.

Die Stimmung in der regionalen Gastronomie ist schlecht. Obwohl das erste Halbjahr gesamtwirtschaftlich gut lief und ein anhaltender Trend zum Deutschland-Tourismus besteht, sind die hiesigen Wirte nicht zufrieden. Der regnerische Sommer hat die Stimmung regelrecht verhagelt. Gerade die Ausflugsgastronomie, die Eisdielen und Biergärten mussten immense Rückgänge verkraften. Die Hotellerie kann dagegen verstärkt auf ausländische Touristen bauen, die, genau wie die Deutschen selbst, offenbar nun die Vielfalt des Reiselandes Deutschland entdecken. Überdies ist die Hotellerie nach wie vor über die Senkung des Mehrwertsteuersatzes erfreut. Was wir als IHK ja ein klein wenig anders sehen.

Ein spezielles Thema der Branche ist die Hygieneampel: Die Gastronomen kritisieren, dass aufgrund einer Momentaufnahme Betriebe an den Pranger gestellt würden, obwohl Mängel längst beseitigt seien. Unter dem Stichwort „Hygienebarometer“ können sich die Gastronomen auf der Homepage der IHK an einer Umfrage beteiligen.

Der Klimaindex in der Gastronomie liegt bei 69,3, gegenüber 109,5 im Vorjahr und 75,0 bei der Frühjahrsumfrage.

Der Gesundheitsmarkt ist nach wie vor ein stabiler Markt. Dies gilt sowohl für die Nachfrage- als auch für die Angebotsseite. Denn Menschen sorgen sich sowohl in Boom-Zeiten als auch in Rezessionen um ihre Gesundheit. Verbandsmaterial wird deshalb immer benötigt, genau wie hochwertige medizintechnische Geräte. Je mehr Menschen auf der Erde leben und je älter sie werden, umso größer der Bedarf an Medizintechnik. Bis zum heutigen Tag sind daher die Betriebe aus diesem Wirtschaftssegment vergleichsweise wenig von der globalen Krise betroffen. Der Pharma- und Chemiesektor kommt beispielsweise auf einen hohen Klimaindex.

Seit 2007 werten wir die Branche „Medizintechnik“ aus. Wir haben dazu sämtliche Firmen aus unserem Bezirk, die in dieses Raster fallen, mit in die Konjunkturbefragung aufgenommen bzw. in dieser Gruppe zusätzlich zusammengefasst.

Der Klimaindex in der Medizintechnik liegt bei 124,8, gegenüber 135,2 im Vorjahr und 126,7 bei der Frühjahrsumfrage.

Ich übergebe nun das Wort an unseren Hauptgeschäftsführer, Dr. Matthias Leder.

Die Konjunkturumfrage der IHK Gießen-Friedberg wurde auch diesmal nach den Ergebnissen in den drei Kreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau ausgewertet. Bei dieser Umfrage wurde darüber hinaus wieder nach Veränderungen bei den Finanzierungskonditionen im Vergleich zum Vorjahr gefragt. Weiter äußerten sich die Unternehmen zu den Risiken der derzeitigen Entwicklung und dem drohenden Fachkräftemangel.

Wie so häufig schneidet der Landkreis Gießen am besten ab. Die Wirtschaft des Landkreises kommt auf einen sehr guten Klimaindex von 122,1. Das ist nahezu exakt das gleiche Niveau des Vorjahres. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage gab es im Landkreis Gießen einen vergleichsweise moderaten Rückgang um fünf Punkte. Fast schon tradi­tionsgemäß liegen die Gießener damit an der Spitze des IHK Bezirkes. Doch nicht nur das: Die Stimmung ist sogar besser als der Klimaindex von Hessen insgesamt, denn hier wird ein Wert von 121,2 ermittelt. Damit liegen die Hessen auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Im Vergleich zur Frühjahrsumfrage ist allerdings ein Rückgang um genau neun Punkte festzustellen. Üblicherweise liegt das hessische Ergebnis, meist um rund zehn Punkte, über dem besten Kreisergebnis des IHK-Bezirkes.

Am schlechtesten schneidet diesmal der Wetteraukreis ab. Mit einem Klimaindex von 104,1 kommen die Wetterauer Betriebe nur auf Rang drei im IHK-Bezirk. Damit hat man sich um 4,7 Punkte gegenüber dem Vorjahr verschlechtert und um 15,9 Punkte gegenüber der Frühjahrsumfrage.

Der Vogelsbergkreis kommt diesmal auf einen Klimaindex von 111,3. Damit hat man sich zwischen Alsfeld und Lauterbach sowohl gegenüber dem Vorjahr (96,8) als auch, und das ist außergewöhnlich, gegenüber der Frühjahrsumfrage (102,2) verbessert. Getragen wird diese Verbesserung ganz maßgeblich von der Entwicklung in der Industrie.

In den drei IHK-Landkreisen Gießen, Vogelsberg und Wetterau ist die Arbeitslosigkeit im September zurückgegangen. Insgesamt ist die Arbeitslosenquote im Bezirk der Arbeitsagentur Gießen auf 5,6 Prozent, gegenüber 6,1 Prozent im Vorjahr, gesunken. Im Vogelsbergkreis lag die aktuelle Quote bei 4,6 Prozent, gegenüber 5,6 Prozent im Vorjahr. Der Wetteraukreis hat eine aktuelle Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent, gegenüber 5,0 Prozent im Vorjahr. Und im Landkreis Gießen schließlich wurde für den September eine Arbeitslosenquote von 6,6 Prozent, gegenüber 7,2 Prozent im Vorjahr, registriert. Zum Vergleich meldet die Arbeitsagentur Kassel für den nordhessischen Arbeitsmarkt eine Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent, gegenüber 6,7 Prozent im Vorjahr.

Der Blick auf die Exportquoten 2010 zeigt ein höchst differenziertes Bild. Die höchste Ausfuhrquote wird im Landkreis Gießen mit 40,2 Prozent, gegenüber 37,8 Prozent im Vorjahr und 39,0 Prozent im Jahre 2008 erreicht. Im Jahre 2007 kam der Landkreis Gießen auf eine Exportquote von 40,6 Prozent. Damit hat man heute das Niveau von vor der Finanzkrise wieder erreicht. Der Wetteraukreis kommt auf eine Exportquote von 27,8 Prozent, gegenüber 25,8 Prozent im Vorjahr und 30,2 Prozent im Jahre 2008. Vor der Finanzkrise lag der Wetteraukreis bei einer Quote von 32,9 Prozent, womit man dieses Niveau noch nicht erreicht hat. Der Vogelsbergkreis schließlich erzielt eine Exportquote im Jahre 2010 von 22,0 Prozent, gegenüber 23,4 Prozent im Jahre 2009 und 24,9 Prozent im Jahr 2009. Vor der Finanzkrise lag der Vogelsberg bei einer Ausfuhrquote von 24,7 Prozent. Wenn die konjunkturelle Richtung aufwärts weist, ist eine höhere Exportverflechtung von immensem Vorteil. Wenn die Schuldenkrise in eine internationale Rezession führt, ist eine hohe Exportverflechtung dagegen von Nachteil.

Die besten Ergebnisse aus der Industrie kommen aus dem Vogelsbergkreis. Dort schließt man mit einem Klimaindex von 121,4 ab und weist damit eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um mehr als 30 Punke auf. Sogar gegenüber der Frühjahrsumfrage hat sich in der Vogelsberger Industrie eine Verbesserung ergeben: Hier stieg der Klimaindex nochmals um 8,3 Punkte. Sowohl die Industrie im Landkreis Gießen und im Wetteraukreis, als auch die Industrie im Bundesland Hessen, weist im Vergleich zur Frühjahrsumfrage einen Rückgang des Klimaindex auf. Besonders gute Ergebnisse meldet der Vogelsberg aus dem Bereich der Metallerzeugung.

Im Landkreis Gießen kommt die dortige Industrie auf einen Klimaindex von 114,7 gegenüber 115,9 im Vorjahr und 128,8 bei der Frühjahrsumfrage. Damit haben sich die Gießener Industriebetriebe sowohl zur Vorjahres- als auch zur Herbstumfrage verschlechtert. Auch in Gießen schneidet die Metallherstellung noch am besten ab.

Die Wetterauer Industrie kommt schließlich auf einen Klimaindexwert von 120,8 gegenüber von 117,7 im Vorjahr und dem Spitzenwert von 141,4 aus der Frühjahrsumfrage. Damit hat sich die Wetterauer Industrie wenigstens gegenüber dem Vorjahr verbessert, wenngleich der Wert aus der Frühjahrsumfrage nicht mehr erreicht werden konnte. Auch hier ist die Metallerzeugung vorn, aber auch die Pharmabranche und die Elektrotechnik schneiden gut ab.

Der Gießener Einzelhandel kommt auf einen Klimaindex von 106,2, gegenüber 112,1 im Vorjahr. Damit liegt Gießen über dem hessischen Durchschnitt und hat gegenüber der Frühjahrsumfrage nur eine leichte Verschlechterung aufzuweisen. Noch besser schneidet der Einzelhandel des Vogelsbergkreises ab, der auf einen Klimaindex von 110,7 kommt und damit mehr als sieben Punkte besser liegt als der hessische Einzelhandel. Die Wetterauer Einzelhändler schließlich kommen auf den schlechtesten Wert: Zwischen Bad Vilbel und Butzbach, zwischen Ober-Mörlen und Büdingen, wird ein Klimawert von 63,2 gemessen. Damit hat man sich sowohl gegenüber der Vorjahresumfrage als auch gegenüber der Frühjahrsumfrage nochmals deutlich verschlechtert.

In einer Sonderaktion wollte die IHK Antworten auf weitere aktuelle Fragestellungen der derzeitigen konjunkturellen Lage erhalten. Zunächst wurden die Unternehmen nach ihren Einschätzungen zu den größten Risiken der derzeitigen Entwicklung gefragt. Dabei sehen fast die Hälfte der Betriebe die hohen Rohstoffpreise als größtes Hindernis für eine weitere positive Entwicklung an. Dicht gefolgt mit rund 46 Prozent aller Unternehmen werden die hohen Energiepreise als Top-Risiko genannt. Als Risiko Nummer drei gilt den Betrieben die schwache bzw. fehlende Inlandsnachfrage – der kränkelnde Konsum wurde im Übrigen bei der Vorjahresumfrage als Risiko Nummer eins eingestuft. Die Staatsschuldenkrise, die während der Befragung bereits klares Top-Thema in den Medien war, landet mit gerade einmal 40 Prozent lediglich auf Rang vier. Daraus könnte man folgern, dass in der realen Wirtschaft die naheliegenden Bedrohungen anstehende Kostenbelastungen sind. Und die ergeben sich zunächst aus den hohen Energie- und Rohstoffpreisen.

Als problematischste Folge der demographischen Entwicklung definieren die Unternehmen den Mangel an Fachkräften. Mit mehr Ausbildung und einer verstärkten Weiterbildung wollen die Unternehmen dieser sich anbahnenden Knappheit begegnen. Erst mit gehörigem Abstand werden Maßnahmen wie die Steigerung der Arbeitgeberattraktivität oder die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie genannt. Mit Fachkräften aus dem Ausland wollen nur 9,1 Prozent der Betriebe diesen Engpass beheben. Dies spiegelt sich auch in Maßnahmen zur Fachkräftesicherung wider: Mehr als 70 Prozent der Unternehmen wollen die Qualifikation der Schulabgänger steigern. Die Qualität der Arbeitsagenturen wollen 36,8 Prozent verbessern und 23,4 Prozent der Betriebe schlagen vor, die Kinderbetreuung auszubauen. Genau 14,6 Prozent schließlich würden die Beschäftigung ausländischer Fachkräfte erleichtern.

Verbesserte Finanzierungskonditionen gegenüber dem Vorjahr sehen 7,3 Prozent aller Unternehmen. Dies waren vor Jahresfrist noch 10,2 Prozent der Betriebe. Für

78,6 Prozent aller Betriebe, gegenüber 72,0 Prozent im Vorjahr, sind diese Konditionen gleich geblieben. Dagegen sehen 12,0 Prozent aller Unternehmen, gegenüber 15,9 im Vorjahr verschlechterte Finanzierungskonditionen. Die so genannte Kreditklemme ist mithin kein aktuelles Thema. Ob sie wieder zu einem Thema wird, gehört ins Reich der Spekulation.

Erlauben Sie mir nun abschließend noch einige Sätze zur aktuellen Staatsschulden- oder Eurokrise. Die europäischen Wirtschaft- und Währungsunion steckt in einer gewaltigen Krise. Die Summen, über die in den verschiedenen Rettungsschirmen und Rettungspaketen gesprochen wird, sind für normale Menschen nicht mehr greifbar. Da wird über Milliardenbeträge diskutiert, als handele es sich um Kleingeld. Mittlerweile wird über Schulden in Billionenhöhe gesprochen, Zahlen die schlicht astronomisch sind. Worin liegen die Hauptgründe, die zu einer Krise der europäischen Gemeinschaftswährung Euro geführt haben? Eine gemeinsame Währung funktioniert nur dann, wenn die Sanktionen, die bei zu hohen Defiziten und Schuldenniveaus greifen sollen, auch durchgesetzt werden – unabhängig davon, wen dies trifft. Im Jahr 2003 hätten sich deshalb Deutschland und Frankreich den Regeln des Stabilitäts- und Wachstumspaktes unterwerfen müssen. Beide Regierungen weigerten sich aber, dies zu tun. Und die Regierungen der anderen Euroländer protestierten nicht wirksam dagegen gemäß dem Motto „Was Deutschland und Frankreich jetzt recht ist, das kann man uns in Zukunft nicht verwehren.“

Jetzt steht Griechenland kurz vor der Pleite. Neue Kredite sollen für Griechenland her, damit die Insolvenz vermieden wird. Die würde aber nicht nur Griechenland treffen, sondern vor allem auch die Kreditgeber, insbesondere europäische Banken, die Gläubiger von griechischen Anleihen sind. Normalerweise gilt in Marktwirtschaften die Regel, dass derjenige, der Risiken eingeht und die Gewinne für sich selber einstreicht, auch für Verluste haften muss. Das gilt für jeden normalen Kaufmann, für jedes Unternehmen und letztlich für jede Privatfrau und Privatmann. Aber ausgerechnet für die Gläubiger von griechischen Anleihen soll dieses Prinzip nicht gelten. Stattdessen sollen weitere Kredite gegeben werden, möglicherweise sogar Eurobonds. Ich sehe das als Umverteilung von unten nach oben an. Denn die Geldgeber kassieren zwar die Zinsen, aber sie tragen keinerlei Risiko für Fehlinvestments, das trägt die Gemeinschaft gemäß dem Motto „Privatisiere die Gewinne und sozialisiere die Verluste“. So höhlt man die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft aus!

Bedeutende Persönlichkeiten wie Professor Dr. Hans-Werner Sinn, Chef des Ifo-Institutes, oder Professor Dr. Ottmar Issing, ehemaliger Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank und langjähriger Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank haben recht, wenn sie von Kreditgebern und Griechenland gleichermaßen schmerzliche Verzichte fordern. Die Kreditgeber müssen danach Griechenland einen Großteil ihrer Schulden erlassen. Der griechische Schuldenberg ist mittlerweile so hoch, dass Griechenland ihn trotz aller Anstrengungen nie zurückzahlen kann. Das Problem der Griechen ist nämlich seit längerem, dass ihre Absorption, als der Verbrauch des Inland größer ist als das gesamte Sozialprodukt, das Griechenland produziert. Wenn Griechenland aber Zinsen bedienen will, muss es mehr produzieren, als es konsumiert.

Der schmerzliche Verzicht für Griechenland besteht aus dem Ausscheiden aus der gemeinsamen Währung Euro und der Wiedereinführung der griechischen Drachme. Die Drachme wird gegenüber dem Euro deutlich abgewertet, aber dies wird Griechenland die Chance geben, von sich aus wieder wettbewerbsfähig gegenüber der Eurozone zu werden. Ich halte diese Lösung für weitaus preisgünstiger als einen Rettungsschirm für einen gesamten Staat. Natürlich müssen bei einer kontrollierten Insolvenz diejenigen Gläubigerbanken ins Visier genommen werden und gegebenenfalls liquide gehalten werden, die sich in großem Maße in Griechenland engagiert haben. Dies kommt Deutschland aber immer noch preisgünstiger als eine Bürgschaft für Griechenland abzugeben. Denn heute steht bereits fest, dass Griechenland beim besten Willen und mit Unterstellung höchster Wachstumsraten trotzdem nie seinen Zinsendienst leisten, geschweige denn seine Schulden abbauen kann.

Die Pleite Griechenlands, an der im Übrigen schon seit geraumer Zeit die Fachwelt nicht mehr zweifelt, kann mithin gemanagt werden. Das Problem wird die viertgrößte europäische Volkswirtschaft, das Problem wird Italien werden. Italienische Staatsanleihen wurden gerade von einer Rating-Agentur deutlich abgewertet.

Pressemeldung Nr.:141, 204 Zeilen, 28.398 Zeichen
Verantwortlich für den Inhalt und Pressekontakt: Kurt Schmitt, Tel.: 06031 / 609-1100

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