Emhart Teknologies bringt Schülern unbekannte
Berufsbilder näher
Fachkräftemangel in der Region und wie IHK-Unternehmen
darauf reagieren
(Gießen-Friedberg, den 27. Juli 2011) - Nach der Krise
ist vor dem Fachkräftemangel, der sich zunehmend auch in der Region
Mittelhessen bemerkbar macht. Zum Glück haben heimische Unternehmen
längst erkannt: Wer jetzt ausbildet, investiert in die Zukunft.
Doch gerade im technisch-gewerblichen Bereich wird es immer
schwerer qualifizierte Auszubildende zu finden. Wir stellen Ihnen –
stellvertretend für alle anderen – Unternehmen vor, die dem
Fachkräftemangel effektiv entgegensteuern.
Kann die Ausbildung zum Werkzeugmechaniker
nur weiterempfehlen: Jonas Coletta (links) mit Andreas Becker
(Mitte) und Uwe Stock. (Foto: P. Zielinski )
Hohe Anforderungen
Anfang Juni waren erst drei der sieben Ausbildungsplätze, die
das Gießener Unternehmen Emhart Teknologies in diesem Jahr im
gewerblich-technischen Bereich anbietet, besetzt. Schwierig
gestaltete sich vor allem die Suche nach zwei Verfahrenstechnikern
für Kunststoff- und Kautschuktechnik sowie zwei
Industriemechanikern Fachrichtung Produktionstechnik. „Hier laufen
noch Gespräche“, erklärte Personalreferent Uwe Stock. „In beiden
Berufen sind die Anforderungen sehr hoch und nicht wenige junge
Leute schreckt der Schichtbetrieb ab“, ergänzte Andreas Becker,
Leiter Mechanische Werkstatt. Viele könnten sich auch unter einem
Verfahrenstechniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik nichts
vorstellen. Die frühere Berufsbezeichnung „Kunststoff-Formgeber“
sei aussagekräftiger gewesen.
Betriebsbesichtigungen für Schulen
Um für die Ausbildung in gewerblich-technischen Berufen zu
werben – neben den bereits genannten bildet das Unternehmen
Industriemechaniker für Maschinen- und Anlagenbau,
Werkzeugmechaniker Fachrichtung Formentechnik und Technische
Zeichner aus – bietet Emhart Teknologies Betriebsbesichtigungen für
Schüler an. „Wir bleiben im Anschluss daran mit den Lehrern in
Kontakt, um ein Feedback zu erhalten“, unterstreicht Andreas
Becker, der selbst die Schülergruppen durch das Unternehmen führt.
Denn: „Der Erfolg einer Kooperation mit Schulen hängt sehr stark
von den jeweiligen Lehrkräften ab.“
Massives Imageproblem
Trotz intensivster Bemühungen sei die Anzahl der Bewerber vor
allem in den letzten drei Jahren stark rückläufig, weiß Uwe Stock
zu berichten. Oftmals würden gute Realschüler von ihren Lehrern den
Rat erhalten, weiter die Schulbank zu drücken. „Das Metallhandwerk
hat mittlerweile ein massives Imageproblem“, bedauert er. Wer gute
Noten in Arbeits- und Sozialverhalten sowie Mathe und Physik hat,
werde zu einem Bewerbungstest gebeten. Leider würde die Hälfte der
Eingeladenen nicht erscheinen. Etwa ein Drittel der Testteilnehmer
werde nach dem Test zu einem persönlichen Gespräch eingeladen. Als
Hauptmanko bezeichnete Stock fehlende Sozialkompetenz sowie
mangelnde Kenntnisse über den ausgewählten Beruf. Viele junge Leute
fänden sich in der Informationsflut des Internets einfach nicht
mehr zurecht, bestätigt Andreas Becker. Auch hier wären Lehrer
gefordert.
Ausbildung für den Eigenbedarf
Da Emhart Teknologies nicht über eine eigene Lehrwerkstatt
verfügt, absolvieren die Auszubildenden des gewerblich-technischen
Bereichs ihre dreimonatige Metall-Grundausbildung bei den
Stadtwerken Gießen. Danach laufen die jungen Leute im täglichen
Produktionsbetrieb mit, lernen dabei alle Abteilung kennen und
fertigen nur Teile, die auch wirklich zum Einsatz kommen. Für einen
Lehrgang in Hydraulik und Pneumatik besuchen die Auszubildenden die
Firma Bänninger in Reiskirchen. Da Emhart Teknologies für den
Eigenbedarf ausbildet, werden in der Regel alle Auszubildenden nach
bestandener Abschlussprüfung übernommen und in ihrem Beruf oder
einem ähnlichen Berufsbild eingesetzt.
Zeichnungen lesen und umsetzen
Werkzeugmechaniker ist einer der gewerblichen Ausbildungsberufe
bei Emhart Teknologies, Ausbildungszeit dreieinhalb Jahre. Bei sehr
guten Leistungen kann die Ausbildungszeit verkürzt werden. „Neben
sehr guten Mathe- und Physikkenntnissen benötigen
Werkzeugmechaniker ein hohes Maß an technischem Interesse sowie
räumlichem Vorstellungsvermögen“, akzentuiert Andreas Becker.
Künftige Werkzeugmechaniker sollten Zeichnungen lesen und umsetzen
können. Aufgabe von Werkzeugmechanikern ist es, komplexe Werkzeuge
für die Serienproduktion von Metall und Kunststoffteilen in der
Industrie herzustellen. Dazu fertigen sie nach der Vorgabe von
Werkzeichnungen und Plänen zuerst Präzisions-Einzelteile an und
bauen diese dann zu funktionstüchtigen Werkzeugen zusammen.
Beruf weiterempfohlen
Nach seinem Realschulabschluss und einem Praktikum im
gewerblich-technischen Bereich hat sich Jonas Coletta aus
Alten-Buseck als Industriemechaniker bei Emhart Teknologies
beworben. „Beim Einstellungsgespräch hat Herr Becker mir den bis
dahin unbekannten Beruf des Werkzeugmechanikers vorgestellt und ich
habe mich sofort dafür entschieden“, erzählt Coletta. Eine
Entscheidung, die der junge Mann – mittlerweile bereits im zweiten
Lehrjahr –nicht bereut hat. Im Gegenteil: „Ich habe den Beruf
meinen Freunden weiter empfohlen. Einer von ihnen fängt in diesem
Jahr ebenfalls hier an“, freut er sich.
Emhart Teknologies gehört zur amerikanischen
StanleyBlack&Decker Corporation und bietet ein großes
Produktsortiment für die unterschiedlichsten Bereiche der
Befestigungs- und Verbindungstechnik an. Am Standort Gießen werden
vor allem Zubehörteile für die Automobilindustrie gefertigt. Anfang
diesen Jahres wurde ein Gebäude in Linden angemietet, in dem sich
zukünftig die Logistikbereich befinden. 540 Mitarbeiter arbeiten
derzeit an den Standorten Gießen und Linden.
Pressemeldung Nr. 102, 5.525 Zeichen, 86
Zeilen
Verantwortlich für den Inhalt:
Petra Mönnich, Tel. 06031 / 609-3005
Pressestelle: Kurt Schmitt, Tel.
06031 / 609-1100