FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG

Ausbildungsbetrieb des Jahres

Ansprache des IHK-Präsidenten Rainer Schwarz anlässlich der Übergabe der Urkunde  „Ausbildungsbetrieb 2016“ am 21.04.2017 an die FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG in Mücke
Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Damen und Herren,
„Das beste Training liegt immer noch im selbstständigen Machen“. Dieser Satz des britischen Soziologen und Historikers Cyril Northcote Parkinson passt meines Erachtens sehr gut zu Ihrem Unternehmen, denn bei der FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG in Mücke übernehmen Auszubildende von Anfang an Verantwortung. Dies und viele andere Dinge mehr, auf die ich später ausführlicher eingehen werde, haben uns dazu bewogen, Ihr Unternehmen am Standort Mücke als „Ausbildungsbetrieb 2016“ auszuzeichnen. Besonders begrüße ich den Geschäftsführer Herrn Manfred Hahl, die Personalleiterin Frau Angela Hüther, den Personalreferenten Herrn André Böhm, den Leiter Montage und Ausbildungsverantwortlichen Herrn Bernd Orth sowie Frau Marlies Katz als Vertreterin des Betriebsrates. Ein herzliches Willkommen gilt selbstverständlich auch den Vertretern der Presse.
Mit der persönlichen Übergabe der Urkunde „Ausbildungsbetrieb 2016“ möchten wir aber nicht nur der FFT in Mücke für die Übernahme der Ausbildungsverantwortung und die beispielhafte aktive und qualitativ hochwertige Ausbildungstätigkeit im vergangenen Jahr danken, sondern zugleich auch allen engagierten Ausbildungsbetrieben im IHK-Bezirk Gießen-Friedberg. Dass Bildung neben Energie der Wachstumsmarkt der Zukunft ist, haben unsere Unternehmen längst erkannt und auch 2016 jungen Menschen wieder mit einem Ausbildungsplatz einen optimal Einstieg in die Arbeitswelt geboten. Herzlichen Dank für dieses vorausschauende Engagement, das uns hilft, zukünftige Fachkräfte zu sichern.  All unsere anderen „Vorzeige-Ausbildungsbetriebe“  erhalten auf postalischem Wege ebenfalls eine Urkunde als Anerkennung und Ansporn für weiteres Engagement.
Einem sich stetig wandelnden Arbeitsmarkt zum Trotz kann die IHK Gießen-Friedberg seit Jahren ausgezeichnete Ausbildungszahlen präsentieren. Auch im vergangenen Jahr konnten wir – gerade im Hinblick auf eine zunehmende Akademisierung und verstärkte Passungsprobleme – mit unserem Ergebnis zufrieden sein: 2.303 neue Ausbildungsverträge war das positive Ergebnis. Das sind zwar knapp drei Prozent weniger als im Vorjahr, aber 276 Plätze mehr als 2006 und sogar 587 mehr als 2002. Da seit 2002 insgesamt ein positiver Trend zu beobachten ist, sind wir mehr als zufrieden. Die 22.749 in Hessen abgeschlossenen neuen Verträge in IHK-Berufen markieren den tiefsten Stand in den letzten zwölf Jahren. Dem gilt es gemeinsam entgegenzuwirken. Ganz wichtig ist, dass alle Betriebe ihre freien und natürlich auch die wieder frei gewordenen Stellen möglichst zeitnah der Agentur für Arbeit melden.
Wer heute ausbildet, braucht neben einem hohen Maß an persönlichem Einsatz vor allem Mut, Geduld und finanzielle Mittel. Doch wie Sie selbst am besten wissen: Eine Investition in Ausbildung lohnt sich immer. „Mit der technischen Expertise, dem eigenverantwortlichen Arbeiten und nicht zuletzt durch die Motivation und Begeisterungsfähigkeit unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen generieren wir Markterfolg“ heißt es auf Ihrer Homepage. Dass dem so ist – davon sind wir überzeugt!
Die FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG ist ein weltweit agierender Systemanbieter von automatisierten und flexiblen Fertigungseinrichtungen. Als Turn-Key-Partner übernimmt FFT Verantwortung für die Realisierung kompletter Produktionsanlagen. Parallel bietet das Unternehmen standardmäßig Systemtechnologien und Systemlösungen sowie Produkte und Dienstleistungen an. Dabei stehen stets Prozesssicherheit, Flexibilität und Wandlungsfähigkeit von Fertigungsanlagen im Mittelpunkt.
Insgesamt beschäftigt FFT weltweit 2061 Mitarbeiter, davon 1335 in Deutschland und bildet bereits seit 1974 aus. 138 Auszubildende und dual Studierende sind derzeit in Fulda, Mücke und Schmalkalden für das Unternehmen tätig. Hier in Mücke absolvieren 41 junge Menschen ihre Ausbildung in den Berufen Elektroniker/-in für Betriebstechnik, Fachinformatiker/-in Fachrichtung Systemintegration, Industriemechaniker/-in, Technischer Produktionsdesigner/-in für Maschinen- und Anlagenkonstruktion, Mechatroniker/-in und Zerspanungsmechaniker/-in. Bis 2011 wurden auch Industriekauffrauen und –männer in Mücke ausgebildet.
Was uns besonders freut ist, dass 99 Prozent Ihrer Auszubildenden auch übernommen werden.  Und ab August werden weitere 55 Auszubildende und duale Studenten eingestellt!
Außerdem legen Sie großen Wert darauf, dass FFT für jeden Schulabschluss einen Ausbildungsberuf anbieten kann. Hierfür sorgt das umfangreiche Angebot an Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen in Ihrem Hause. Von Beginn an sind die Auszubildenden ein wichtiger Teil des gesamten Teams. Durch eine fachübergreifende Zusammenarbeit aller Abteilungen lernen sie den gesamten Prozess auf dem Weg zu einer neuen Produktionsanlage kennen und sehen, wie aus einer ersten Planung ein funktionierendes Produkt entsteht. Nicht nur in der Anfangszeit werden die Azubis von erfahrenen Mitarbeitern mit Rat und Tat unterstützt. Auch die Weiterbildung ehemaliger Auszubildender wird stark gefördert. So haben sich beispielsweise im vergangenen Sommer neun von zehn Auszubildenden für eine Weiterbildung zum Techniker entschieden. Durch Ferienjobs werden die Weiterbildungsteilnehmer an das Unternehmen gebunden und kehren anschließend gerne zurück.
Während andere über Nachwuchsprobleme klagen, wird bei FFT gehandelt. Durch die Teilnahme an Ausbildungsmessen in Alsfeld, Gießen und Friedberg sowie die Unternehmenspräsentationen  in umliegenden Schulen machen Sie junge Menschen auf sich aufmerksam. Praktika für Schüler und Studenten (berufspraktisches Semester und Bachelorarbeiten) sind seit Jahren eine Selbstverständlichkeit. Sie wissen genau, dass ein erster Schritt einen erfolgreichen Weg einleiten kann und junge Menschen an ein Unternehmen bindet.    
Alle Aktivitäten Ihres Unternehmens heute auszuführen, würde den Rahmen unserer Veranstaltung sicher sprengen. Nur so viel: Ihr Unternehmensstandort Mücke ist nicht nur IHK-Prüfungsort, sondern Ihr Ausbilder Jürgen Bodo Geiß ist auch ehrenamtlich in den IHK-Prüfungsausschüssen Mechatroniker/-in und Industriemechaniker/-in tätig. Herr Mathias Stein ist darüber hinaus vor kurzem in einen IHK-Prüfungsausschuss, Elektroniker /-in für Betriebstechnik, berufen worden. Kurzum: Die FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG bietet jungen Menschen eine fundierte Ausbildung als Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben. Dafür danken wir Ihnen aufs Herzlichste. Gerade in sogenannten MINT-Berufen werden qualifizierte Fachkräfte schon seit Jahren händeringend gesucht.
Obwohl es in Deutschland rund 330 anerkannte Ausbildungsberufe gibt, konzentriert sich etwa die Hälfte der Jugendlichen leider noch immer auf wenige Berufe und erschließt sich somit nur einen Bruchteil der beruflichen Möglichkeiten. 2016 wurden mehr als ein Drittel aller neuen Ausbildungsverträge in nur zehn Berufen abgeschlossen. Alter und neuer Spitzenreiter ist einer Erhebung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) der Beruf Kaufmann/-frau für Büromanagement. Generell wurden mit weiblichen Auszubildenden im vergangenen Jahr die meisten Verträge in kaufmännischen Berufen abgeschlossen. Bei den Männern lagen nach dem Kfz-Mechatroniker, der weiterhin mit großem Vorsprung die Spitzenposition einnimmt, der Elektroniker, der Kaufmann im Einzelhandel sowie der Industriemechaniker auf den vorderen Rängen.
Mit 9,4 Prozent mehr Abschlüssen konnte der Fachinformatiker/-in einen deutlichen Anstieg in der Beliebtheitsskala verbuchen. Die seit 2012 kontinuierlich steigende Zahl der Neuabschlüsse in diesem Beruf zeigt, dass die Wirtschaft zunehmend gut ausgebildete IT-Fachleute benötigt und sich in der Ausbildung engagiert. Abgenommen hat hingegen die Zahl der Neuabschlüsse bei den Bankkaufleuten mit einem Minus von 16,9 Prozent. Grund hierfür ist sicherlich die Umstrukturierung hin zu mehr Online-Banking und Filialkonzentration. Allerdings ist es wichtig, Ausbildungsentscheidungen immer in Verbindung mit dem vorhandenen Ausbildungsplatzangebot zu betrachten. Mit Messen wie dem „Berufswegekompass“ versucht die IHK Gießen-Friedberg bereits seit sechzehn Jahren erfolgreich, jungen Menschen bis dato unbekannte Ausbildungsberufe näher zu bringen. Schon jetzt möchte ich Sie auf unseren nächsten Berufswegekompass am 7. November dieses Jahres in Gießen hinweisen.
Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind für Jugendliche übrigens laut Berufsbildungsbericht 2017 so gut wie nie zuvor. Rechnerisch standen 100 ausbildungsplatzsuchenden Schulabgängerinnen und Schulabgängern 104 Ausbildungsangebote gegenüber. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge blieb mit 520.300 gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Die Praxisnähe, die guten Übergänge von Ausbildung in Beschäftigung und die im EU-Vergleich geringe Jugendarbeitslosigkeit begründen den Erfolg und das auch international hohe Ansehen unseres dualen Ausbildungssystems. Dennoch ist es für viele Betriebe schwieriger geworden, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Ein Indiz dafür ist der neue Höchststand von 43.500 bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten unbesetzten Ausbildungsstellen. Dem standen rund 20.600 unversorgte Bewerber gegenüber. Damit stellen Passungsprobleme zwischen Angebot und Nachfrage weiterhin eine zentrale Herausforderung dar.
Besonders schwer, geeignete Auszubildende zu finden, haben es Klein- und Kleinstunternehmen. Sie stehen im harten Wettbewerb mit mittleren und größeren Unternehmen um die noch immer sinkende Zahl der Schulabgänger. So ist der gegenwärtige Rückgang der betrieblichen Ausbildungsbeteiligung fast ausschließlich auf Verluste bei sehr kleinen Betrieben zurückzuführen. Hier ist die Zahl seit 2007 um fast ein Viertel gesunken. Mit dem im März 2017 gestarteten Programm „JOBSTARTER plus“ will das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) diese Betriebe, die in Deutschland eine wesentliche Säule der dualen Berufsausbildung darstellen, unterstützen. Für den neuen Förderschwerpunkt stellt das Ministerium 7,6 Millionen Euro aus eigenen Mitteln und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds bereit. „JOBSTARTER plus“ enthält eine Vielzahl von konkreten Dienstleistungen. So werden die Betriebe bei rechtlichen und administrativen Fragen rund um die Ausbildung beraten, erhalten Hilfe bei der Auswahl geeigneter Bewerber und werden über neue und modernisierte Ausbildungsberufe informiert. Bei all diesen Aktivitäten besteht eine enge Kooperation mit der lokalen Wirtschaft sowie Akteuren der Berufsausbildung vor Ort, wie beispielsweise den Kammern.
Eine weitere neue Maßnahme zur Stärkung der Attraktivität und Qualität des Berufsbildungssystems ist die bundesweite Informationskampagne "Du + Deine Ausbildung = praktisch unschlagbar!" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Mit dem neuen Aufstiegs-BAföG und dem verbesserten Weiterbildungsstipendium des BMBF wurden weitere Schritte unternommen, um die berufliche Bildung attraktiver zu gestalten. Das Stipendium kann für berufsbezogene Weiterbildung eigener Wahl genutzt werden. Auch mit der Initiative zur Integration von Studienabbrecherinnen und Studienabbrechern in die berufliche Bildung hat das Ministerium ein neues, zielgruppengerechtes Informations-, Beratungs-, und Vermittlungsangebot geschaffen.
Liebe Anwesende, lassen Sie mich mit einem chinesischen Sprichwort schließen: „Was ich gehört habe, vergesse ich. Was ich gesehen habe, weiß ich. Was ich getan habe, kann ich.“ Bevor wir nun zur Übergabe Ihrer wohl verdienten Urkunde kommen, möchten wir uns noch einmal bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie jungen Menschen die Chance zum selbstständigen Handeln eröffnen. Das ist leider in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit mehr. Die Auszeichnung haben Sie sich durch Ihre engagierte Arbeit mehr als verdient!