Frühjahrsumfrage der IHK – Gute Stimmung (fast) überall

Konjunktur: Es läuft gut

(Gießen-Friedberg, den 18. Mai 2017) – Die regionale Konjunktur im Frühjahr 2017 zeigt sich in hervorragender Verfassung. Nachdem bereits zu Jahresbeginn ein außerordentlich gutes Ergebnis erreicht wurde, ist nunmehr nochmals eine Verbesserung eingetreten. Das Klima bewegt sich auf einem Niveau wie seit rund zehn Jahren nicht mehr. Vor der Finanzkrise im Jahre 2007 wurde eine ähnlich hohe Zufriedenheit gemessen. Es läuft rund. Es läuft sehr gut. Es läuft annähernd ohne Probleme.
Die derzeitige Geschäftslage wird ganz überwiegend positiv eingeschätzt: 47,1 Prozent der Unternehmen geben der Gegenwart ein „gut“. Lediglich 10,6 Prozent ordnen die aktuelle Lage schlecht ein. Das ergibt einen positiven Saldo von 36,5 Prozent, gegenüber 30,5 Prozent zu Jahresbeginn und 32,1 Prozent im Vorjahr. Die nahe Zukunft sehen knapp ein Viertel der Betriebe eher günstiger, während 11,5 Prozent von einem ungünstigeren Verlauf des kommenden halben Jahres ausgehen. Auch hier ergibt sich demnach ein positiver Saldo, der allerdings nicht ganz so hoch wie bei der Einschätzung der Gegenwart ist: Aktuell liegt der Saldo bei 11,9 Prozent, zum Jahreswechsel bei 6,3 und im Vorjahr bei 3,4 Prozent. Die Gegenwart wird also sehr positiv eingeschätzt. Der nahen Zukunft blickt man etwas vorsichtiger, aber klar zuversichtlicher als zuletzt, entgegen.
Für das Jahr 2017 rechnen der DIHK und der Sachverständigenrat mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 1,6 Prozent. Im Jahr zuvor wuchs das BIP um 1,9 Prozent. Höhere Wachstumsraten wurden zuletzt 2010 und 2011 erzielt, dies allerdings als Folge des Tiefschlags aus der Finanzkrise. Für 2018 pendeln sich die Prognosen zwischen 1,6 und 2,0 Prozent Wachstum ein. Diese erfreulich Wachstumsrate im vergangenen Jahr und der gute Start ins Jahr 2017 ist umso beachtlicher, wenn man die Hindernisse bedenkt, die sich derzeit in der Welt auftun: der harte Brexit im Vereinigten Königreich, der Terror in Deutschland, Belgien und Frankreich, mögliche Handelshemmnisse durch die Wahl Donald Trumps und weitere mediale und reale Aufregungen. Doch die deutsche Wirtschaft zeigt sich stabil, solide, nahezu alle Bedrohungen perlen an den Betrieben ab.
Insgesamt kommen die Betriebe aus dem IHK-Bezirk auf einen Klimaindex von 123,5. Der Klimaindex ist ein Durchschnittswert, ermittelt aus den Antworten zur Gegenwart und zur Zukunft. Er kann zwischen 200 als bestem Wert und Null als schlechtestem Wert liegen. Bei der Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn lag er noch bei 117,8, vor einem Jahr bei 116,9. Zum Vergleich: Der Klimaindex aller hessischen Betriebe liegt bei 126,3, mehr oder weniger auf Augenhöhe. Dies ist erstaunlich, da traditionsgemäß die hessischen Ergebnisse immer höher liegen als die unserer IHK. Grund ist die höhere Exportverflechtung, gerade im Rhein-Main-Gebiet.
Die regionalen Vergleiche zeigen: die besten Resultate kommen aus dem Landkreis Gießen. Dort wird insgesamt ein Klimaindex von 132,9 erzielt, gegenüber 126,0 zu Jahresbeginn und 128,1 im Vorjahr. Die Betriebe aus dem Wetteraukreis kommen auf einen Klimaindex von 122,9, gegenüber 116,7 zu Jahresbeginn und 117,5 im
Vorjahr. Der Vogelsberger Klimaindex verhindert ein noch besseres IHK-Ergebnis. Zwischen Alsfeld und Lauterbach werden aktuell nur 109,3 errechnet, gegenüber 106,4 zu Jahresbeginn und 97,9 bei der Vorjahresumfrage.
Die besten Klimaindizes erzielt die Industrie. Dort wurde ein Index von 131,8 gemessen. Vor einem Jahr lagen die Industriebetriebe noch bei 114,6. Die besten Werte kommen von den Herstellern von Metallerzeugnissen mit 140,5 und der Elektrotechnik mit 146,0. Der Maschinenbau hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn sogar etwas verschlechtert und landet dennoch bei 122,0. Die hessischen Industrieunternehmen kommen im Übrigen auf einen Klimaindex von 129,7, liegen also unter dem hiesigen IHK-Ergebnis.
Bereits im Vorjahr kamen die Baubetriebe mit 135,7 auf ein außerordentlich gutes Ergebnis. Mittlerweile liegt der Klimaindex im Bau bei 132,2. Die Betriebe haben demnach die sehr gute Stimmung mitgenommen. Während die Bauunternehmen in den Landkreisen Gießen und Wetterau diese Ergebnis untermauern, hinken die Betriebe aus dem Vogelsberg deutlich hinterher: Dort wird ein Klimaindex von 98,0 erzielt.
Der Einzelhandel kommt nicht über die Zufriedenheitsschwelle. Insgesamt wird für die Händler im IHK-Bezirk ein Wert von 98,5 ermittelt. Damit hat man sich im Vergleich zum Vorjahr nur leicht verbessert. Den besten Wert der Einzelhändler erzielen die Vogelsberger Betriebe mit 106,1. Die hessischen Einzelhändler erzielen einen Klimaindex von 108,7. Die Branche hinkt fast überall den jeweiligen Durchschnittswerten hinterher.  Grund ist die Tatsache, dass noch immer kein Mittel gegen die stärker werdende Konkurrenz des  Online-Handels gefunden ist.
Gute Nachrichten gibt es auch aus dem Blickwinkel der Investitionen und der Beschäftigung: Während 30 Prozent der Betriebe von zunehmenden Investitionsplänen berichten, gehen 17 Prozent von abnehmenden Plänen aus. Demnach wird hier ein positiver Saldo von 12,7 Prozent ermittelt. Der lag zu Jahresbeginn noch bei 4,8 Prozent und im Vorjahr gar mit minus 0,3 Prozent im negativen Bereich. Bei den Beschäftigungsplänen ist man zurückhaltender. Insgesamt will jedes fünfte Unternehmen Personal einstellen. Dagegen gehen zwölf Prozent der Betriebe von sinkenden Beschäftigtenzahlen aus. Damit wird ein Saldo von 6,6 Prozent ermittelt. Auch der lag im Vorjahr mit 0,6 Prozent weitaus niedriger.
Pressemeldung Nr. 046, 5.708 Zeichen, 98 Zeilen
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